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Nachbarschaften in der digitalen Stadt

Das soziale Leben findet seine Ergänzung und teilweise sogar seinen Ersatz zunehmend in der digitalen Welt. Auch die Art, wie wir Nachbarschaften pflegen und leben wird durch die Digitalisierung beeinflusst. So scheint es kaum verwunderlich, dass sich Onlineportale für nachbarschaftliche Zwecke in unseren Städten zunehmender Beliebtheit erfreuen. Die Plattform nebenan.de zählt bspw. 1,3 Mio Mitglieder*innen in Deutschland. Nachfolgend seien zentrale Punkte aus der WDR-Podcastreihe “Neugier genügt” zu diesem Thema zusammengafasst.

Allgemein

  • Lediglich ein Drittel der deutschen Bevölkerung hat ein enges, freundschaftliches Verhältnis zu seinen Nachbarn (Studie der Universität Oldenburg).
  • Bekannte Plattformen: nextdoor.de, nebenan.de, ebenso lokale Facebook-Gruppen.
  • Die Plattformen sind für Nutzer*innen kostenlos, für die Registrierung ist die Angabe der Adresse notwendig.

Anwendung

  • Gängie Anwendungsfälle für soziale Nachbarschaftsnetzwerke: Verleih von Werkzeugen, Vermittlung von Tierbetreuung, Kaufen/Verkaufen ohne Portogebühren möglich, Gleichgesinnte für Hobby finden
  • Grundsätzlich lassen sich die Nutzer*innen in zwei Gruppen einteilen:
    • pragmatisch: klassische Nachbarschaftshilfe, praktischer Vernetzungszweck
    • sozial: Gemeinschaft stärken, als Nachbarschaft zusammenwachsen, z.B. Gärtnern, Verabreden zum Karten spielen,…

Vorteile von Nachbarschaftsportalen

  • Flexibilität: Nachbarn können selbst entscheiden, wie stark sie sich einbringen möchten (kein sozialer Zwang wie bei direkten Beziehungen).
  • Reichweite: Bei Gesuchen ist die Anzahl der Befragten viel höher, als wenn man direkt bei jedem klingeln würde.
  • Nachhaltigkeit: Dinge, die nicht häufig gebraucht werden, muss auch nicht jeder Einzelne kaufen. Stattdessen können diese geteilt werden und die Vermittlung ist viel effizienter durch die digitale Vernetzung.

Gesellschaftlicher Kontext

  • Nachbarschaftsportale sind ein Ausdruck von Sehnsucht nach Nachbarschaft/ sozialen Kontakten, sie ersetzen Nachbarschaften nicht.
  • Nachbarschaftsportale sind zudem ein Werkzeug, um unser Bedürfnis nach lokaler Zugehörigkeit zu erfüllen, sie sind nicht die Ursache dafür. Lokale Zugehörigkeit funktioniert am einfachsten in der Nachbarschaft.
  • Im Grunde versetzen sie in die digitale Welt das, was früher auf dem Hausflur passiert ist. Die eigentliche “gesellschaftliche Webarbeit” beginnt erst nach dem digitalen Vernetzen.

Hintergrundinformationen:

  • Titel: “Wenn Nachbarn sich online helfen”
  • Moderation: Lena Breuer (WDR)
  • Gastredner*in
    • Mitgründerin von nebenan.de: Ina Remmers
    • Experte für digitale Nachbarschaftsnetzwerke: Dr. rer. pol. Sebastian Kurtenbach (FH Münster)

2 Kommentare

  1. Vielen Dank für die Zusammenfassung und Darstellung.
    Spannend wäre es auch, das Thema für Dörfer zu beleuchten:
    Braucht es da andere Ansätze und Plattformen, um die aufgezeigten positiven Wirkungen zu erzielen?
    Geht das dort vielleicht besser in dem stationäre (reale) Treffpunkte eingerichtet werden?
    Würde mich freuen, wenn das Thema, diese Fragen vielleicht in einem kommenden Podcast oder Beitrag behandelt wird.

    • In der Tat ist es eine spannende Frage, denn im ländlichen Raum ist die räumliche Dichte der sich potenziell zu vernetzenden Nachbarn aufgrund der aufgelockerten Baustruktur ja nicht per se gegeben. Auf der anderen Seite zeichnen sich gerade viele Dorfgemeinschaften dadurch aus, dass sie in reger Interaktion das Dorfleben bespielen und “jeder jeden kennt”…

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Beitrag

Dimitri Ravin
Dimitri Ravin
Studium der Raumplanung an der TU Dortmund, verfasst derzeit seine Abschlussarbeit über kommunale Digitalstrategien, zuvor Werkstudent bei der Stadt Dortmund (Projektassistenz Digitale Woche Dortmund), seit 2017 Herausgeber von urban-digital.de

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