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Smart City-Strategie erklärt

Bundesweit haben in den letzten drei Jahren mehr als zehn Städte unabhängig voneinander ihre Smart City-Strategien aufgestellt. Die Beweggründe sind im Einzelnen unterschiedlich. Während das Land Baden-Württemberg mit seiner Digitalakademie gezielt das Aufstellen von Smart City-Strategien in Ravensburg, Ulm und weiteren mittelgroßen Städten fördert¹, diente in Darmstadt der Bitkom-Wettbewerb Digitale Stadt als Initialfunke für die Strategieerstellung². Als Beweggrund reicht auch die eigenständige Erkenntnis über das zunehmende Gestaltungspotenzial von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in der Stadtentwicklung, wie es bspw. die Großstädte München und Duisburg beschreiben.³ ⁴

Eine Smart City-Strategie ist ein demokratisch legitimiertes Plandokument zur Bündelung von konzeptionellen und integrierten Bestrebungen der digitalen Stadtentwicklungspolitik.

Wenn in den letzten Jahren schlagartig die Erstellung von Smart City-Strategien an Aufwind gewinnt, lohnt sich ein genauerer Blick auf die veröffentlichten Strategien. Wie charakterisiert sich dieser neue Typus von stadt-strategischen Leitlinien? Unsere Analyse von Smart City-Strategien lässt auf mehrere Merkmale schließen, die für eine Smart City-Strategie begriffsprägend sind und im Folgenden näher erläutert werden.

1. Mehrere Handlungsfelder umfassend

Im Gegensatz zu Digitalisierungsstrategien der reinen Verwaltungsmodernisierung, verfolgen Smart City-Strategien einen ganzheitlichen und integrierten Ansatz unter Einbezug von allen relevanten Handlungsfeldern der Stadtentwicklung wie Mobilität, Kultur, Bildung, Ver- und Entsorgung, Wirtschaft, soziale Infrastruktur, Umwelt u.a. Initiiert durch den unaufhaltbaren Einzug von IKT und ihren Folgen für ganze Gesellschafts- und Wirtschaftsstrukturen, erwächst für die öffentliche Hand die Verantwortung, diese Entwicklungen in gemeinwohlorientierte Bahnen zu lenken.⁵

Strategie VerwaltungsmodernisierungSmart City-Strategie

Themenfelder der Wuppertaler IT- und Digitalisierungsstrategie der Stadtverwaltung „digiTal 2023“ (S. 7), Fokus auf verwaltungsinterne Digitalisierung

Strategieüberblick der Digitalstrategie Darmstadt (S. 6): eine Smart City-Strategie, umfasst stets mehrere Handlungsfelder der Stadtentwicklung

2. Stadtentwicklungspolitik im digitalen Zeitalter

Als Repräsentanten des politisch-administrativen Systems auf kommunaler Ebene, stehen Stadtpolitik und Stadtverwaltung in der Verantwortung, die Gestaltung dieses Digitalisierungsprozesses in ihrer Stadtentwicklungspolitik zu verankern und benötigen dafür eine Strategie⁶. Dass die Smart City-Strategien Konkretisierungen der Stadtentwicklungspolitik im digitalen Zeitalter sind, äußert sich auch in dem Umstand, dass sie häufig explizit an bereits existierende Planungen gesamtstädtischer Entwicklungen, wie bspw. integrierte Stadtentwicklungskonzepte, andocken.⁷

  • Kiel: „Die Digitale Strategie ist in die Strategischen Ziele der Landeshauptstadt Kiel eingebettet und bezieht weitere strategische Vorhaben wie den Green City Plan oder den Masterplan Mobilität der KielRegion ein.“ ⁸
  • München: „In der Zukunftsschau München 2040+ wurde die Integration der Herausforderungen der digitalen Transformation in die Perspektive München empfohlen. 2018 wurde deshalb zunächst auf strategischer Ebene eine neue Leitlinie zur „aktiven und verantwortungsbewussten digitalen Transformation“ formuliert. […] Sie ist damit die Basis für die Digitalisierungsstrategie.“ ⁹
  • Darmstadt: „Die Strategie der Digitalstadt Darmstadt fügt sich in den übergeordneten Masterplan DA 2030+ sowie in die Stadtwirtschaftsstrategie 2020 ein und erweitert diese um digital spezifische Vorhaben zu Mobilität, Indust-riepolitik, Klimaschutz, Gesundheit, Bildung und Bürgerbeteiligung.“ ¹⁰

3. Beteiligung aller Akteure der Stadtentwicklung

Bedingt durch den ganzheitlichen Entwicklungsanspruch städtischer Handlungsfelder und der daraus entstehenden inhaltlichen Themenbreite, binden Digitalisierungsstrategien einen großen Kreis an Akteuren ein. Strategieerstellung und Umsetzung kennzeichnen sich durch die intensive Beteiligung aller relevanten Akteure der Stadtentwicklung aus Bürgerschaft, Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Politik. Sie alle „einigen“ sich in der Strategie auf die digitale Zukunft ihrer Stadt.¹¹ Ergebnis dieses Erstellungsprozesses ist oftmals ein vom Stadtrat beschlossenes Dokument, das die geplanten Digitalisierungsbestrebungen der Stadtpolitik, Stadtverwaltung und öffentlichen Institutionen beinhaltet.

„Dabei konnten wir von Anfang an auf die engen Vernetzungen mit den Forschungsinstituten, auf reichhaltige Erfahrungswerte in stadtweiten Projekten privater oder öffentlicher Träger sowie den aktiven Bürgerbeteiligungsprozessen innerhalb unserer Stadt zurückgreifen.“

Digitalstrategie der Stadt Darmstadt, S. 3 (2018)

4. Lokalspezifische und adaptive Dokumente

Smart City-Strategien sind mit ihrem begrenzten räumlichen Wirkungsbereich stets lokalspezifische Plandokumente, denn sie greifen lokale Potenziale und Herausforderungen ihrer Stadt auf. Die Strategien sind dabei keine statischen Dokumente, sondern unterliegen einem fortlaufenden Anpassungsprozess, dessen Notwendigkeit sich insb. durch die schnellen Entwicklungsdynamiken von IKT ergibt.¹² Der lokalspezifische und damit individuelle Strategieerstellungsprozess führt zu unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen und Detaillierungsgraden der einzelnen Strategien.

  • Titel-Wortlaute sind individuell: „Strategie der Digitalstadt Darmstadt“, „Masterplan Digital Duisburg“, „Digitale Strategie Kiel“ u.a.
  • Umfang: Spannweite reicht von 8 Seiten (Kiel) bis 120 Seiten (Heilbronn)
  • Unterschiedliche Zeithorizonte: Heilbronn bis 2030 ¹³, München bis 2025 ¹⁴, in anderen Strategien oftmals undefiniert…
  • Lokalspezifische Schwerpunktsetzungen (z.B. setzt Duisburg u.a. auf die Digitalisierung seines Binnenhafens ¹⁵), eine detaillierte Betrachtung der unterschiedlichen thematischen Schwerpunkte erfolgt in folgenden Artikeln

Nachweise

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Dimitri Ravin
Dimitri Ravin
Dimitri Ravin befasst sich seit dem Jahr 2017 als Intiator von urban-digital.de mit dem Einfluss der Digitalisierung auf Städte. Neben seinem Studium der Stadtplanung, ist er mit Beratungs- und Vortragstätigkeiten i. Z. m. Smart City Projekten und Strategien tätig. Zuletzt untersuchte er am Institut für den öffentlichen Sektor (KPMG) die Smart City-Strategien deutscher Großstädte und war davor als Projektassistenz für digitale Projekte bei der Stadt Dortmund angestellt. Kontakt: info [at] urban-digital [.] de

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