Strategische Chancen
Eigenmarketing der Verwaltung
Eine entscheidende Chance liegt im Eigenmarketing und in der Transparenz der Verwaltung. Der oft geäußerte Vorwurf, die Verwaltung arbeite noch „den Methoden der 80-er” übersieht oftmals die wenig bekannten Hintergrundprozesse. Statt politische Gremien und Öffentlichkeit mit Zahlen- und Datenkolonnen zu überfordern, sollten UDZ mit anschaulichen, echtzeitbasierten Geoinformationen genutzt werden. Sie machen die komplexen Herausforderungen einer Kommune nachvollziehbar und schaffen die Grundlage, um Aufmerksamkeit und Ressourcen zu mobilisieren.
Effizienzsteigerung und Vorbereitung auf hybride Bedrohungen
Digitale Zwillinge erhöhen die Effizienz in zahlreichen Fachprozessen und tragen zur Vorbereitung auf hybride Bedrohungen bei. Datenschutzrechtliche Anforderungen (Rechte- und Rollenverteilung) einerseits und Effizienzsteigerungen durch interkommunale Datenkooperationen andererseits lassen sich technisch umsetzen. Damit bilden sie die Schnittstelle auch zur Cybersicherheit.
Transparenz, Wissenstransfer und Simulationsfähigkeit
Hinzu kommen die klassischen Mehrwerte digitaler Zwillinge: Transparenz, Wissenstransfer und die Fähigkeit, Prognosen, Analysen und frühzeitige Simulationen vorzunehmen – etwa für Starkregen und Klimafolgenanpassung.
Monetäre Bewertung als politisches Argument
Die Chancen sind unstrittig. Entscheidend ist, sie monetär oder ressourcenbezogen messbar zu machen. Nur so lässt sich die Politik im Rahmen ihrer haushalterischen Möglichkeiten überzeugen, die notwendigen Ressourcen bereitzustellen. Gezielte Anschubinvestitionen in mehreren Kernbereichen sind notwendig, garantieren aber eine erfolgversprechende Investition in die Zukunft.
Organisatorische Voraussetzungen
Politischer Wille als Grundvoraussetzung
Die Einführung von UDZ muss von oben gewollt sein. Das ist leichter formuliert als umgesetzt: Wer Digitalisierung will, kommt allerdings um Urbane Digitale Zwillinge nicht herum. Es erfordert dabei kontinuierliche Überzeugungsarbeit gegenüber den jeweiligen Verantwortlichen, sei es die Verwaltungsspitze oder den jeweiligen kommunalpolitischen Gremien. Der sprichwörtliche stete Tropfen muss den heißen Stein höhlen. Da hier erhebliche Ressourcen gebunden sind, muss diese Frage auch gemeinsam mit den Rechenzentren vor Ort beantwortet werden. Dieses auch deshalb, um parallele Aktivitäten zu vermeiden.
Regionale Rechenzentren als interkommunale Lösung
Um interkommunale Zusammenarbeit zu fördern, sollten regionale Rechenzentrumsstrukturen für den Aufbau interkommunaler Datenplattformen genutzt werden. Selbstverständlich erfolgt dies unter Berücksichtigung der datenschutzrechtlichen Rahmenbedingungen. Datenschutz- und IT-Konzepte sind integraler Bestandteil. Offen bleibt die operative Zuständigkeit: Wer übernimmt im Haus die Verantwortung für die Plattformen?
Risiken und Zielkonflikte
KRITIS-Gesetz und Datensicherheit
Nach dem KRITIS-Gesetz sind kritische Infrastrukturen besonders zu schützen. Beispielsweise sind Kommunen aus Nordrhein-Westfalen aktuell in enger Abstimmung mit den Aufsichtsbehörden des Landes. Davon betroffen sind schwerpunktmäßig auch die kommunalen Geoinformationsbereiche. Es geht um die Frage, welche Daten KRITIS-relevant sind und welche nicht.
Open Data versus KRITIS
Daraus ergibt sich ein Zielkonflikt: Nordrhein-Westfalen war eines der ersten Bundesländer, das Open Data nicht nur propagiert sondern auch unterkommunalen Einnahmeverlusten in Millionenhöhe umgesetzt hat. Gleichzeitig sind die Daten auch unter KRITIS-Anforderungen zu beurteilen. Dieser Konflikt zwischen Datensicherheit und OpenData lässt sich nicht auf kommunaler Ebene lösen, sondern muss zeitnah auf Bundes- und Landesebene politisch geklärt werden – mit Klarheit darüber, was veröffentlicht werden darf und was aus Sicherheitsgründen nur intern zu nutzen ist, beispielsweise für Zwecke des Bevölkerungsschutzes. Zu beobachten ist hier allerdings eine momentan eher abwartende Haltung des Bundes und der Länder.
Interkommunale Kooperation auch über Landesgrenzen, Ressourcen, Schnittmengen und Rollenverteilung
Ungeklärt sind außerdem die Ressourcen- und Schnittmengen-Fragen: Welche Rolle nimmt welche Stelle innerhalb des Hauses ein, und wie wird interkommunal kooperiert? Mehrere Kommunen außerhalb der Kreisstrukturen haben bereits eigene digitale Zwillinge aufgebaut; hier liegen Synergiepotenziale, die allerdings von den politischen Rahmenbedingungen abhängen. Hinzu kommt, dass Endes dieses Jahres die Förderung der Smart-City-Projekte ausläuft. Zu befürchten sind daher reduzierte Aktivitäten zum notwendigen flächendeckenden Ausbau von UDZ.
Geodatenmanagement als Querschnittsaufgabe
Geodatenmanagement als Aufgabe beinhaltet das systematische Erfassen, Verarbeiten, Analysieren und Bereitstellen von digitalen Daten mit Raumbezug. Auf diese Weise werden geografische Informationen nutzbar gemacht. Alles das, was Koordinaten oder Adressen besitzt, lässt sich folglich effizient für Verwaltung, Wirtschaft und Bürger aufbereiten. Diese Aufgabe erfordert natürlich auch fachliche Expertise.

Dr.-Ing. Stefan Ostrau (Kreis Lippe), Workshop-Leiter „Digitale Zwillinge“
Dr.-Ing. Stefan Ostrau ist als Fachbereichsleiter für Geoinformation, Liegenschaftskataster und Immobilienbewertung beim Kreis Lippe tätig. Seine Expertise liegt in der strategischen Verknüpfung von Geodateninfrastrukturen, digitalen Zwillingen und Verwaltungsmodernisierung. Als Mitglied im Lenkungsgremium GDI-DE für den Deutschen Landkreistag kennt er die Perspektive der Kreise ebenso wie die bundesweiten Anforderungen.


