Start Smart Economy Westfälischer Diamant - Digitalwirtschaft in Dortmund fördern

Westfälischer Diamant – Digitalwirtschaft in Dortmund fördern

Ein Land hat im internationalen Wettbewerb dort Erfolg, wo es Vorteile im “Diamanten” besitzt. Der Begriff des “Diamanten” wurde vom us-amerikanischen Ökonom Michael E. Porter vor etwa 25 Jahren in die Debatte um nationale Wettbewerbsvorteile und die Bildung von Branchenclustern eingeführt. “Diamanten” sind für Porter nun aber keine einzelnen, besonderen Unternehmen, herausragende Geschäftsmodelle oder erfolgreiche Produkte.

Diese individuelle Betrachtung von Erfolg ist eher ein Kennzeichen der heutigen Diskussionen um “Unicorns” usw. Der Portersche “Diamant” ist ein System. Die besondere Art eines Wechselspiels zwischen Unternehmen, Wissenschaft, Staat und Beschäftigten an einem Standort rund um eine heimische Kernbranche. In diesem System werden Produktionsfaktoren wie Infrastruktur, Fachkräfte, Wissensressourcen und Kapitalressourcen auf eine ganz bestimmte Art und Weise rund um eine Anhäufung von Unternehmen und Zulieferbetrieben aus einer Branche, aus einem Cluster entwickelt. Der “Diamant” ist also mehr als eine Anhäufung von Unternehmen einer Branche, eines Clusters. Er ist ein Bild für die Produktionsverhältnisse an einem Standort rund um zentrale Branchen und Technologien.

Dortmund war lange Zeit ein Teil des “rheinisch-westfälischen Montandiamanten”. Dieser Diamant ist in den 90er Jahren endgültig zerbrochen. Michael E. Porter und sein Team haben zwar untersucht worauf nationale und regionale Wettbewerbsvorteile beruhen, also welche Bedeutung die “Diamanten” haben, wie aber “Diamanten” entstehen oder neue Diamanten durch regionale Strukturpolitik geschliffen werden können, dass haben die Forscher leider nicht beantwortet.

Mit dem dortmund-project wurde zum Beginn der 2000er Jahre eine eigene Antwort darauf in und für Dortmund entwickelt. Es ging um den Aufbau neuer Führungsindustrien (E-Logistik, Mikrosystemtechnologie, IT, E-Business) für Dortmund. Dieser Branchenaufbau wurde gezielt unterstützt durch die Entwicklung von Produktionsfaktoren wie Infrastruktur, Fachkräften und neuen Unternehmen für diese Branchen durch Ansiedlung und Gründung. So gesehen war das dortmund-project ein kompaktes Programm zur Entwicklung eines neuen “Dortmund-Technologie-Diamanten”.

Nun stehen wir vor dem nächsten Schritt. Die weitere Globalisierung der Produktion, die Digitalisierung und der demografische Wandel zwingen uns, diesen Diamanten weiter zu entwickeln. Es geht um die Entwicklung eines “westfälischen Diamanten der digitalen Produktion”. Mit unserer Heimvorteil-Initiative haben wir dafür bereits erste Schritte getan, nun müssen wir unsere Neuorganisation dafür nutzen diese Entwicklung weiter voran zu treiben. Dortmund ist der Kern des westfälischen Wirtschaftsraumes.

Zu diesem Wirtschaftsraum gehören Bochum, Hagen, Hamm, Ennepe-Ruhr-Kreis, Märkischer Kreis, Kreis Unna und in der unmittelbaren Nachbarschaft den Hochsauerlandkreis sowie den Kreis Soest. Dieser Wirtschaftsraum mit knapp 2 Millionen Einwohnern ist geprägt von mittelständischen Produktionsunternehmen mit flexibler Spezialisierung und tiefer Weltmarkteinbindung. In diesem Wirtschaftsraum spielt Dortmund mit seinem hohen Anteil an Digitalunternehmen, produktionsorientierten Dienstleistungen und F&E-Einheiten eine entscheidende Rolle als Innovationsmotor. In der Grundstruktur wird die Wettbewerbsfähigkeit dieses Wirtschaftsraumes durch die Digitalisierung von Prozessen, Produkten und Geschäftsmodellen vor völlig neue Herausforderungen gestellt.

Wenn diese Herausforderungen in der Breite nicht gemeistert werden könnten, hätte das auch deutlich negative Auswirkungen auf den Dortmunder Standort. Wenn es uns aber umgekehrt gelingt, das digitale Know-How am Dortmunder Standort, unsere Gründerszene und unsere Forschungskapazitäten noch stärker auf die Bedarfe dieses westfälischen Wirtschaftsraumes und der Unternehmen auszurichten, dann kann es wirklich gelingen ein “neues Wechselspiel zwischen Unternehmen, Wissenschaft, Staat und Beschäftigten an einem Standort” zu entwickeln.

Das ist die strukturpolitische Herausforderung der nächsten 10 Jahre für uns.

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Thomas Westphal
Dimitri Ravin befasst sich seit dem Jahr 2017 als Intiator von urban-digital.de mit dem Einfluss der Digitalisierung auf Städte. Neben seinem Studium der Stadtplanung, ist er mit Beratungs- und Vortragstätigkeiten i. Z. m. Smart City Projekten und Strategien tätig. Zuletzt untersuchte er am Institut für den öffentlichen Sektor (KPMG) die Smart City-Strategien deutscher Großstädte und war davor als Projektassistenz für digitale Projekte bei der Stadt Dortmund angestellt. Kontakt: info [at] urban-digital [.] de

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