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Smart City: Ein großer Impuls für die Wirtschaftsförderung

Eine systematische Entwicklung von Smart Cities führt zu einer wirtschaftlichen Erneuerung von Standorten und ganzen Regionen. Denn diese digitale Transformation sorgt für Innovationen in nahezu allen Bereichen des kommunalen und urbanen Lebens. Die Einführung der Elektromobilität, eine digitale Verteilung von Energie, oder neue Lösungen für die Kommunikation in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Verwaltung – solche Erneuerungen bringen einen großen Impuls in die kommunale und regionale Wirtschaft. Es entstehen zahlreiche neue Geschäftsfelder auf Basis der neuen Technologien und der gesamte Standort wird für Menschen und Unternehmen erheblich attraktiver.

1. Strategie ist die Basis

Eine Bedingung dafür ist eine Gesamtstrategie zur systematischen Entwicklung der Digitalisierung. Dabei sollten alle Verantwortlichen aus der Politik, von Energieversorgern und relevanten lokalen Unternehmen an einem Tisch die Potentiale und Ziele der Stadtentwicklung erörtern. So werden vereinzelte Aktivitäten, die insgesamt weniger effektiv sind, vermieden und eine ganzheitliche Entwicklung zur Smart City möglich. Bereits bei der gemeinsamen Konzeption entstehen Netzwerke und in der Regel zahlreiche Möglichkeiten für wirtschaftliche Initiativen. Zum Beispiel kann der Bedarf von Unternehmen an Bandbreiten oder Cloud-Lösungen neue Geschäftsmodelle für Netzbetreiber und Energieversorger hervorbringen. Oder städtische Ziele im Bereich der Elektromobilität führen zu Kooperationen mit Car-Sharing-Anbietern, die ihrerseits innovative Angebote für den Markt entwickeln. Eine Digitalisierungsstrategie und die Kooperation der wichtigsten lokalen Akteure ist die Voraussetzung für die Erörterung und systematische Nutzung der gesamten ökonomischen Potentiale.

2. Lukratives Geschäft Glasfaserausbau

Der Ausbau der digitalen Infrastruktur mit Glasfaserkabeln erweitert in erster Linie das Geschäft der Netzbetreiber. Die Verfügbarkeit von Glasfaseranschlüssen in Deutschland ist im internationalen Vergleich bisher nur sehr schwach ausgeprägt. Das ist ein großes ökonomisches Manko mit Blick auf die Industrie 4.0, Ansprüche der Bürgerinnen und Bürger sowie die „Digitale Daseinsvorsorge“. Zudem ist eine flächendeckende, stabile Versorgung mit Glasfasernetzen und mobilen Lösungen für den schnellen Datentransfer die Basis der Entwicklung von Smart Cities. Dabei sind die wirtschaftlichen Möglichkeiten in diesem Bereich sehr gut. Der Glasfaserausbau wird vielfältig staatlich gefördert und die Investitionen der Stadtwerke oder privater Netzbetreiber amortisieren sich sehr schnell. Ferner sind mit der Bereitstellung hoher Bandbreiten für Verwaltungen, Unternehmen und private Haushalte langfristig stabile Gewinne zu erzielen, weil das schnelle Internet mehr und mehr der Backbone der gesamten Ökonomie wird.

Vom Ausbau der digitalen Infrastruktur profitieren auch Unternehmen. Die Industrie 4.0 benötigt neben einer nahezu grünen Produktion hohe Bandbreiten für die interne und externe Kommunikation sowie sehr sichere Speicher- und Cloud-Lösungen. Neben der mobilen Telefonie sind auch Datenübertragungen von Endgeräten gefragt, zum Beispiel von Maschinen im Einsatz beim Kunden, die auf Basis eines seriösen Datenschutzes Informationen an den Hersteller senden. Der Kundenservice erhält dabei alle wichtigen Daten für schnelle Reparaturen oder zu den Nutzungszeiten, um gemeinsam mit dem Kunden den Lebenszyklus des Produkts oder seiner Einzelteile zu kontrollieren. Auch dazu können Netzbetreiber und Stadtwerke neue Geschäftsmodelle entwickeln.

3. Zahlreiche Geschäftsmodelle im Bereich E-Mobilität

Im Bereich der Mobilität ist in den vergangenen Jahren mit am meisten verändert worden, der Impuls kam durch die europäischen sowie deutschen Initiativen, Regelungen und Förderprogramme zur Energiewende. Die Entwicklung ist in der BRD zwar relativ weit vorangeschritten, aber laut Studien von Haselhorst Associates noch nicht einmal bei 50%.

Im Dezember 2019 gab es in Deutschland 24.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte für Elektrofahrzeuge. Für den Aufbau der Infrastruktur stellte der Bund 300 Millionen Euro zur Verfügung. Anreize wie die Kraftfahrzeugsteuerbefreiung für reine Elektro-Pkw sollen das Ziel von 6 Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen bis 2030 fördern. Leuchtturmprojekte in den Bereichen Antriebstechnik, Energiesysteme und Energiespeicherung, Ladeinfrastruktur und Netzintegration werden honoriert.

Zahlreiche Geschäftsmodelle sind von Stadtwerken und anderen Unternehmen bereits entwickelt worden, Angebote für den Kauf oder zur Nutzung von E-Bikes und E-Autos, für das Car und Bike Sharing oder Kombinationen aus beidem für eine multimodale Mobilität. In München etwa bieten Lösungen an Haltestellen Abfahrtszeiten in Echtzeit, Informationen zu verfügbaren Fahrzeugen zum Sharing sowie zu Positionen von Ladestationen. Die Lösung ist mit einer App kombiniert. Diese neuen Mobilitätskonzepte setzen auf eine Verkehrswende als Teil der Energiewende und sollen der E-Mobility zum Durchbruch verhelfen.

Die möglichen Geschäftsmodelle in diesem Segment sind vielfältig. Infrastruktur-Provider und Anbieter von Informationstechnologien können in das Management von grüner Energie für Elektromobile einsteigen oder Betreiber von Tankstellen sich innerhalb der neuen Wertschöpfungskette positionieren, indem sie innovative Möglichkeiten der Elektromobilität erschließen. Individuelle Lösungsanbieter könnten zum Beispiel das Mobilitätsverhalten von Nutzern analysieren und über Apps und Portale multimodale E-Mobilitätskonzepte anbieten. Komplettanbieter können den benötigten Strom bieten, Ladeinfrastrukturen sowie Mess- und Abrechnungssysteme bereitstellen und Elektrofahrzeuge vermieten oder verkaufen.

4. Energieversorgung als wertvolle Datenquelle

Die Entwicklung zu einer digitalen Steuerung der Energieversorgung inklusive einer Einspeisung von dezentral erzeugtem Strom in herkömmliche Netze oder Smart Grids ist in vollem Gange. Lukrative neue Geschäftsmodelle sind bereits am Markt. Dazu gehören neben diversen Modellen für die Photovoltaik-Erzeugung und -Einspeisung digitale Abrechnungssysteme, komplexe Smart-Grid-Software mit Lösungen auf Basis künstlicher Intelligenz oder innovative Speichertechnologien.

Ein noch weiter ansteigender Anteil von erneuerbaren und dezentral erzeugten Energien führt zu einem wachsenden Bedarf an Lösungen für die Einspeisung und intelligente Verteilung des Stroms sowie zur Professionalisierung des Betriebs von Smart Grids. Auch die Integration von Elektrofahrzeugen als zusätzliche Verbraucher (Vehicle-to-Grid: V2G) und dezentralen Energiespeichern eröffnen die Möglichkeiten interessanter Geschäftsmodelle.

Unternehmen mit dem Fokus Mobilität können sich weitere Anteile in den entstehenden Märkten sichern – in den Bereichen Smart Grid und Smart Metering, aber auch Smart Home und Smart Building. Denn die aus dem Betrieb von Smart Grids gewonnenen Daten bieten die Möglichkeit der Entwicklung weiterer digi­taler Geschäftsmodelle, zum Beispiel in den Bereichen „Intelligente Gebäude“, „Mobilität“ oder „Plattform-Geschäfte“. Hier müssen die Angebote kundenspezifisch ausfallen und der Vertrieb entsprechend ausgerichtet sein.

5. Smarte Gebäudesicherheit: Ein neuer Markt

Der Markt für Lösungen zu Smart Homes & Buildings boomt besonders im privaten Bereich. Die weit verbreitete Nutzung von Smart Phones und Tablets hat diese Entwicklung stark vorangetrieben. Denn Heizungen, Jalousien, Garagentore oder Sicherheitslösungen lassen sich über die mobilen Endgeräte aus der Ferne steuern. Integrierte Gebäudesysteme bieten unter anderem Lösungen für die Sicherheit, zur Steuerung des Energieverbrauchs, den Komfort, das Wohnklima. Die Geschäftsmöglichkeiten für Unternehmen in diesem Bereich sind vielfältig.

Energieversorger, die traditionell einen Zugang zu den Kunden haben und Smart Grids inklusive Smart-Metering-Lösungen einrichten, können zum Beispiel durch das Ausweisen der Stromkosten einzelner Haushaltsgeräte nicht nur spezifische Hinweise geben zur Senkung der Energiekosten, sondern bei Bedarf attraktive Angebot für deren Austausch unterbreiten. Gefragt sein werden Komplettlösungen für das Smart-Building, welche Haustüren und Fenster mit Kameras und Sensoren überwachen sowie spezielle Sicherheitslösungen für öffentliche Gebäude und Industrieanlagen oder andere Objektbauten.

Für Elektroinstallationsbetriebe etwa entsteht hier ähnlich wie vorher im Bereich der KFZ-Technik und Mechatronik ein ganz neuer Markt. Es verändert sich nicht alleine die Infrastruktur der Verbindungstechnik, sondern spezialisiert auf Home 4.0 werden die Betriebe Experten für Mess- und Prüftechnik, Photovoltaik sowie für die Gebäudeautomation durch Bussysteme zur Haussteuerung und Regelung der Energieeffizienz. In diesem Bereich können auch Energieversorger und Unternehmen der IT-Branche in Kooperation mit Bauunternehmen oder Elektroinstallateuren gemeinsame Lösungsanbieter werden.

6. Smart Government: Diverse Geschäftsmodelle

In einem ganzheitlichen Smart-City-Konzept ist auch das Smart Government ein wichtiger Bestandteil. Das Onlinezugangsgesetz (OZG) sieht vor, dass alle Leistungen der öffentlichen Verwaltung bis 2022 auch online zur Verfügung stehen – dies beinhaltet mittlerweile mehr als 600 einzelne Verwaltungsangebote. Das zu Beginn des Jahrtausends begonnene E-Government entwickelt sich nun zum Smart Government, zur „Verwaltung 4.0“ mit ihren Ressorts wie Gericht, Finanzverwaltung, Standesamt oder Bauverwaltung. Dieses Internet der Dienste besteht aus integrierten Portalen der kommunalen und städtischen Verwaltungen mit diversen digitalen Diensten sowie spezifischen Apps für Bürgerinnen und Bürger.  

7. Smart Health: Ein riesiger Markt

In etwa 10 Jahren soll die Online-Kommunikation zwischen Arztpraxen und Patienten selbstverständlich sein. Auch die Digitalisierung der Beziehungen zwischen Versicherten und Krankenkassen geht voran. Dafür sowie für andere Smart-Health-Konzepte wird die zurzeit aus Gründen des Datenschutzes noch umstrittene elektronische Gesundheitsakte (eGA) erforderlich sein. Das Konzept wird sich durchsetzen und damit ein weites Feld an Möglichkeiten neuer Geschäftsmodelle entstehen – für Online-Plattformen und Applikationen, Sicherheitslösungen, Anwendungen für die digitale Kommunikationen und vieles mehr.

Unternehmen, die im Bereich Mobile Health aktiv sind, haben bisher vor allem Apps zur Förderung gesundheitlicher Aktivitäten entwickelt. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung besteht ein großer Bedarf an Lösungen für spezielle Zielgruppen. Dazu zählen zum Beispiel Pflegedienstleistungen und die Geriatrie.

Ein interessantes Pilotprojekt in diesem Bereich ist das Modellvorhaben „NetzWerk GesundAktiv“ (NWGA), das seit 2017 in Hamburg-Eimsbüttel läuft und 2021 abgeschlossen sein soll. Es handelt sich um ein Hilfe- und Betreuungsnetzwerk der Techniker Krankenkasse. Pflegebedürftige Menschen im hohen Alter sollen ein weitgehend selbstbestimmtes Leben zu Hause führen. Vernetzte Hilfsangebote, Beratungen und Begleitung ermöglichen eine ambulante Versorgung, die eine stationäre Pflege ersetzt. Der Einsatz technischer Assistenzsysteme wird dabei ebenfalls erprobt. Die „Koordinierende Stelle“ befindet ist im Hamburger Albertinen-Haus am Zentrum für Geriatrie und Gerontologie. Behandelnde Ärzte und Therapeuten werden ebenfalls einbezogen.

Ob nun solche ganzheitlichen Lösungen oder einzelne mobile Serviceroboter, das Aktivitätsmonitoring, assistive Badezimmer oder Applikationen für die diversen Erfordernisse an die Kommunikation zwischen allen Beteiligten – der Markt für Lösungen im Bereich Smart Health ist riesig.

Mit der Konzeption einer Smart City sollten die Bereiche von der Energieversorgung über Elektromobilität und Smart Government bis zu Smart Health nach ihren ökonomischen Potentialen analysiert und diese voll ausgeschöpft werden. So sorgt eine umfassende Digitalisierung für die Erneuerung ganzer Wirtschaftsstandorte.

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Jürgen Germies
Jürgen Germies ist Partner bei der Unternehmensberatung Haselhorst Associates GmbH. Er entwickelt mit Stadtwerken und Kommunen umfassende Konzepte und Roadmaps in den Bereichen digitale Daseinsvorsorge und Smart City. Herr Germies begleitet außerdem als erfahrener Senior-Berater Unternehmen bei Strategieent-wicklungen, Restrukturierungen und Change-Prozessen.

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