Mittwoch, 1. Februar 2023

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StartDigitale MobilitätStadtnavi vorgestellt – Kommunale Mobilität multimodal, nutzerfreundlich und ganzheitlich gedacht

Stadtnavi vorgestellt – Kommunale Mobilität multimodal, nutzerfreundlich und ganzheitlich gedacht

Titelbild: © Stadtnavi
Autorin: Jana Zieger


Mobilität verändert sich. Immerfort und, analog zu anderen Entwicklungen, immer schneller. Städte und Landkreise leiden unter massiven Verkehrsbelastungen, Stickstoffoxid-Grenzwerte werden überschritten. Lebensstile wandeln sich, ebenso die Automobilität. Das Fahrrad erlebt eine Renaissance, der öffentliche Verkehr geht den Weg der Digitalisierung. Es wird über die gerechte Aufteilung des öffentlichen Raums diskutiert. „Stadtnavi“ greift diese Trends auf und erzählt die Geschichte weiter.

Mobilität im 21. Jahrhundert wird multimodal stattfinden. Die verschiedenen Mobilitätsarten werden und müssen eng miteinander vernetzt sein. Zudem kann die Mobilitätswende nur gelingen und kann der Verkehr nur spürbar vermindert werden, wenn es attraktive Alternativen gibt und diese Alternativen auch „zu Ende gedacht werden“. Wenn es zusätzlich zu einem attraktiven ÖPNV-Angebot und einem gut ausgebauten Rad- und Fußwege-Netz entlang der verkehrswichtigen Hauptachsen flexible Angebote von der „ersten bis zur letzten Meile“ gibt.

Dafür braucht es eine gute, intermodale Reiseauskunft, die die aktuelle Verkehrslage und möglichst alle Mobilitätsalternativen berücksichtigt. Die den öffentlichen Personennahverkehr und den Individualverkehr eng miteinander verzahnt und somit ganz neue, innovative und nachhaltige und zugleich individuelle Mobilitätsformen entstehen lässt. Stadtnavi ermöglicht die Vernetzung von Mobilität als offene – lizenz- und werbefreie – skalierbare Mobilitätsplattform und trägt somit ganz entscheidend zur Mobilitätswende bei.

1. Warum braucht es Stadtnavi?

Um die Mobilitätswende zu schaffen, müssen wir – zusätzlich zu Push-Maßnahmen – attraktive, komfortable und einfach nutzbare Alternativen zum motorisierten Individualverkehr (MIV) zur Verfügung stellen und sichtbar machen. Ein wichtiger Baustein sind digitale Angebote und die Verfügbarkeit von zugrundeliegenden Mobilitätsdaten. So wird der Umstieg vom Auto auf den Umweltverbund einfacher. Und genau da setzt das Stadtnavi an:

  • Wie komme ich schnell, bequem und umweltfreundlich von A nach B?
  • Wo kann ich ein Lastenrad ausleihen?
  • Hat mein Bus Verspätung?
  • Wo finde ich die nächste Radstation?
  • Bietet jemand auf meiner Strecke eine Mitfahrgelegenheit an?

Fragen über Fragen. Die Antworten gibt Stadtnavi. Eine multimodale Mobilitätsplattform, die die Stadt Herrenberg mit Unterstützung eines breit aufgestellten Netzwerkes entwickelt und an den Start gebracht hat. Stadtnavi wurde mit einer Förderung des BMVI im Rahmen des Projekts „Modellstadt für saubere Luft“ im Zeitraum 2018-2021 entwickelt. Seit Juli 2021 steht Stadtnavi als Browser Version und als Smartphone App zur Verfügung. Stadtnavi bündelt regionale Mobilitätsangebote und ermöglicht eine verkehrsträgerübergreifende (intermodale) Routenplanung mithilfe lokaler Echtzeitdaten.

© Stadtnavi | Funktionsumfang im Jahr 2022

Stadtnavi ist eine Open Source Lösung. Das bedeutet, der Quellcode der Software liegt offen zur Nutzung auf GitHub zur Verfügung. Der Quellcode kann frei verwendet und weiterentwickelt werden. Kommunen/Landkreise/ Regionen können beliebig regionale Datenquellen, Services und Informationen integrieren. Stadtnavi ist außerdem eine White Label Lösung – Name, Logo, farbliches Erscheinungsbild etc. können also individuell angepasst werden.

Alle Daten werden nach europäischem Datenschutzrecht anonym und sicher gespeichert oder gar nicht erst erhoben. Ebenso ist ausgeschlossen, dass sich die Daten einer einzelnen Person zuordnen lassen, mit Stadtnavi können keine persönlichen Bewegungsprofile erstellt werden.

2. Mobilitätsdaten als Basis für
die Mobilitätswende

Ganz verschiedene Mobilitätsangebote werden miteinander vernetzt, d.h. Stadtnavi kombiniert für die angeforderte Strecke, ganz nach den Wünschen und Möglichkeiten der Nutzenden, die Angebote des ÖPNVs, den Fuß- und Radverkehr, dazu aber auch den Individual- und den Taxiverkehr im Stadtgebiet sowie Mitfahrgelegenheiten miteinander. Dabei werden alle vorhandenen Informationen zu Baustellen und zu Einschränkungen im ÖPNV berücksichtigt. Nicht nur tagesaktuell, sondern in Echtzeit.

So weit, so gut, aber wir funktioniert das mit Daten? Als Open Data-Projekt stellt Stadtnavi erhobene Daten offen zur Verfügung und erhält wiederum Daten aus der Open Data-Community, was den Aufwand für eine Datenaggregation und -bereitstellung erheblich reduziert.

Dafür werden Mobilitätsdaten der MobiDataBW-Plattform, von OpenStreetMap und verfügbare Echtzeitdaten mehrerer Verkehrsverbünde verwendet. Dafür werden aber auch lokale Daten eingebunden. Daten, die mittels Sensoren erhoben und über das stadteigene LoRaWAN-Funknetz energieeffizient und kostengünstig übertragen werden. Daten, die Auskunft geben über die Parkplatzbelegung, über Busstandorte und deren Besetzung, über die Verfügbarkeit von Taxis und über freie E-Ladesäulen.

Die Plattform verknüpft lokale, kommunale Daten mit überregionalen Daten und bietet den Nutzer:innen somit eine individuelle, innovative und optimale Streckenführung an, die alle Fortbewegungsmittel berücksichtigt. Stadtnavi bietet dabei die Möglichkeit, lokale nachhaltige Mobilitätsangebote einzubinden und zu fördern, die bei den großen, kommerziellen Routingangeboten unter den Tisch fallen: In Herrenberg sind beispielsweise die kostenlosen E-Lastenräder ALF (Affstätter Lastenfahrrad), GÜLF (Gültsteiner Lastenfahrrad) und FaRe der Fairtrade-Familie (abgeleitet von „fair“ und „regional“) im Stadtnavi integriert.

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© KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH

Stadtnavi erleichtert aber nicht nur den Nutzer:innen das umweltfreundliche Navigieren von A nach B. Das Thema Mobilitätsdaten und Open Data wird für die öffentliche Daseinsvorsorge in der Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen. Das Aufsetzen und Betreiben der Mobilitätsplattform ist für Kommunen auch ein Instrument, die eigenen Mobilitätsdaten zu managen. Das heißt: Analysieren, welche Daten vorhanden sind; wo Daten fehlen, diese zu generieren und mit Hilfe der geschaffenen Strukturen intelligente digitale Lösungen für nachhaltige Mobilität zu ermöglichen und das Thema Smart City voranzutreiben.

Solche Lösungen können auch dabei helfen, Bedarfe und vorhandene Kapazitäten richtig einzuschätzen. Beispiel Parkplätze: Sind Echtzeitdaten über Parkplatzauslastungen vorhanden, lässt sich dem mancherorts empfundenen Parkplatzmangel durch intelligente Verkehrssteuerung wie digitalen Parkleitsystemen und dem Navigieren mit Stadtnavi entgegenwirken. Parksuchverkehr kann reduziert werden und Potenziale für die Umnutzung von Parkplatzflächen sind leicht ersichtlich.

Bewusst wurde auch das Auto mitgedacht. In den Randbereichen der Metropolregionen und im ländlichen Raum ist das Auto nach wie vor das Verkehrsmittel der ersten Wahl. Unter anderem da es für die „erste und letzte Meile“ derzeit kaum Alternativen gibt. Eine Tatsache, die berücksichtigt wird, mit der man sich aber nicht einfach abfindet. Deshalb wurde Stadtnavi so konzipiert, dass Autofahrende im ersten Schritt immer zuerst zu einer Park-and-Ride-Station geleitet werden und dann die Weiterfahrt mit dem ÖPNV angezeigt wird. Stadtnavi trägt zugleich zur Mobilitätswende, zur Verkehrsvermeidung, Verkehrsverlagerung und Verkehrsverbesserung bei.

3. Herrenberg war nur der Anfang –
Umsetzung in weiteren Kommunen

Herrenberg wurde vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur als eine von bundesweit fünf Modellkommunen für das Förderprogramm „Saubere Luft“ ausgewählt. Stadtnavi ist ein zentraler Baustein, der im Rahmen des Programms entwickelt werden konnte. An der Entstehung waren in Herrenberg die Stabsstelle Klimaschutz, die Stadtwerke Herrenberg, das Amt für Technik und Grün, die Entwickler:innen der beteiligten IT-Dienstleistungsunternehmen sowie maßgeblich auch die Open Source/Data-Community beteiligt.

Stadtnavi basiert auf den praxisbewährten Open Source-Komponenten Digitransit und OpenTripPlanner. Ganz in diesem Sinne steht das Stadtnavi als kostenlose, modulare Open Source „White Label Lösung“ im Internet zur Verfügung und mittlerweile gibt es bereits mehrere weitere Instanzen von Stadtnavi:

Kosten fallen für die Einrichtung des Systems mit ortsspezifischen Daten (Aufwand ist abhängig von der lokalen Datenlage) und den laufenden Betrieb an. Bei Interesse können wir einen Kontakt zu den IT-Dienstleistern herstellen, die in der Implementierung, Betrieb und Wartung von Stadtnavi erfahren sind.

Unser langfristiges Ziel ist, ein gemeinsames Betreibermodell für Stadtnavi zu entwickeln, in dem sich alle anwendenden Kommunen/ Regionen/ Verkehrsverbünde zusammenschließen. So könnten Kosteneinsparungen durch Synergien entstehen, es kann gegenseitig von Weiterentwicklungen profitiert werden, die Wartungskosten können gesenkt werden und evtl. sogar ein gemeinsamer Server betrieben werden etc. Wir werden sehen, wie es sich weiterentwickelt und welche Möglichkeiten sich ergeben. In jedem Fall ist die Vernetzung sehr wichtig und hilfreich. Daher freuen wir uns sehr über Ihre Kontaktaufnahme.

4. Weitere Informationen

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Stadt Herrenberg
Stadt Herrenberg
Im Herzen des Gäu gelegen, umgeben von viel Grün und Natur, Wäldern und Streuobstwiesen, bietet Herrenberg mit seinen knapp 33.000 Einwohnern und sieben Stadtteile eine hohe Lebensqualität für alle Generationen.

Herrenberg wurde vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur als eine von bundesweit fünf Modellkommunen für das Förderprogramm „Saubere Luft“ ausgewählt. „Stadtnavi“ ist ein zentraler Baustein, der im Rahmen des Programms entwickelt werden konnte.

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