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Innenentwicklungsareale digital erfassen

Täglich werden in Deutschland rund 60 Hektar als Siedlungsflächen und Verkehrsflächen neu ausgewiesen. Das entspricht ca. 80 Fußballfeldern. Es ist in Deutschland immer noch nicht gelungen den Flächenverbrauch ökologisch wertvoller Flächen nachhaltig zu reduzieren. Gleichzeitig steht der Immobilienmarkt vor immensen Herausforderungen. In Metropolregionen müssen Flächen aktiviert werden, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. In strukturschwachen Gegenden muss der Wegzug aus den Städten und Gemeinden verhindert und das massive Leerstandsproblem angegangen werden.

Die Digitalisierung ermöglicht in diesen Tagen in allen gesellschaftlichen Bereichen durch neuartige Technologien eine Erweiterung des „Instrumentenkoffers“. In diesem Kontext stellt sich die Frage, ob sich auch bei der Erfassung von Potenzialen in der kommunalen Innenentwicklung ein digitales Tool als nützlich erweisen könnte. Mit dieser Fragestellung hat sich auch die immovativ GmbH aus Ober-Ramstadt beschäftigt und folgenden Lösungsansatz entwickelt: Wie wäre es mit einem digitalen Innenentwicklungssystem, welches es den Kommunen ermöglicht schnell Flächen zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums und leerstehende Immobilien digital zu erfassen, digitalisieren, qualifizieren und zu aktivieren?

Dazu wurde die Software aREAL entwickelt. Die Innenentwicklungspotenziale und Leerstände können mit einer iPad-App mobil erfasst und online in eine Datenbank übertragen werden. Die Datenbank liefert der Kommune jederzeit aktuelle Daten über unbebaute Grundstücke, Brachflächen, minder genutzte Areale, Nachverdichtungsareale, Aufstockungspotenziale und Leerstand. Alle Entwicklungsareale können übersichtlich in einer Kartendarstellung oder der Galerieansicht angezeigt werden. Aus dieser Datenbank lassen sich ganz einfach Statistiken zu Innenentwicklungspotenzialen und Leerständen erzeugen. Damit erhält die Kommune einen detaillierten Überblick, wo schnell Wohnbau- und Gewerbeflächen entwickelt werden können und eine aktuelle Übersicht, wo Leerstand im Wohn- oder Gewerbebereich herrscht.

In Kooperation mit dem Fachgebiet Stadtmanagement an der BTU Cottbus wurde dieses Tool nun in der Praxis getestet. Mit Hilfe des Pilotversuches sollte in Erfahrung gebracht werden, inwiefern die kommunale Verwaltung bei der Aktivierung von Innenentwicklungspotenzialen mit dieser modernen Softwarelösung unterstützt werden kann. Dazu wurden Studentinnen und Studenten des 4. Semesters der Fachrichtung Stadtentwicklung und Stadtplanung mit 20 iPads ausgestattet, auf denen die Applikation aReAL der immovativ GmbH installiert wurde.

Nach einer theoretischen Vorbereitung und Einführung in das Tool aREAL, brechen Studierende des Fachgebiets Stadtmanagement der BTU Cottbus auf, um Innenentwicklungsareale in ihrer Stadt per iPad zu erfassen

In diesem Feldversuch haben die Studierenden im Sanierungsgebiet von rund 30 ha Fläche die Entwicklungsareale mit den iPads mobil erfasst, digitalisiert und vorqualifiziert. Innerhalb weniger Stunden konnten die Studierenden damit mehr als 130 Innenentwicklungsareale wie Baulücken, Brachflächen, Nachverdichtungsareale, Aufstockungspotenziale und Leerstände identifizieren und erfassen. Die Daten wurden im Anschluss mit der Innenwicklungsdatenbank aREAL synchronisiert und per Softwareoberfläche nachqualifiziert.  Im weiteren Projektverlauf wird von den Studentinnen und Studenten nun auf Basis der erhobenen Daten ein städtebaulich-strategisches Entwicklungskonzept erarbeitet. Durch den Einsatz der Software können die Studierenden jetzt auf ein umfassendes digitales Brachflächen-, Baulücken und Leerstandskataster zurückgreifen und mit tagesaktuellen Stadtplanungsdaten arbeiten. Begleitet wird die studentische Arbeit auch vom Stadtplanungsamt der Stadt Cottbus, das derzeit den weiteren Einsatz der im Rahmen des Projekts erhobenen Daten prüft.

Das digitale Innenentwicklungssystem steht allen deutschen Städten und Gemeinden zur Verfügung und kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, den Verbrauch von ökologisch wertvollen Flächen nachhaltig zu begrenzen.

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