Urban Digital Event in Berlin

Bahnhof, Filmset, Netzwerktreffen

Am 12. Oktober hatten wir das Vergnügen, unsere Community direkt bei der Deutschen Bahn im Berliner Hauptbahnhof zu versammeln.

75 Experten aus Kommunen, Technologieunternehmen und Fachverbänden haben den Abend in eine Filmproduktion verwandelt: mit Vorspann, Dreharbeiten beim Abendessen und einer Premiere samt Preisverleihung. Die Ergebnisse der fünf Filmsets finden Sie hier.

Gruppenfoto vom Urban Digital Netzwerktreffen 2026 in Berlin
Gruppenfoto vom Urban Digital Netzwerktreffen am 12. Oktober 2026

Worum ging es?

Im Vorspann ging es um die Handlung der Urban Digital Filmreihe: die lebenswerte Stadt, gut gemanagt, ressourcenschonend, nachhaltig und wirtschaftlich stark. KI, Daten, Sensorik und digitale Zwillinge sind dabei die Filmtechnik. Technik allein macht aber noch keinen guten Film, es braucht Drehbuch, Besetzung und Regie.

Smart City verlässt gerade die Blase: Förderprogramme laufen aus und tragfähige Betriebsmodelle sind gefragt, Anbieter haben ihre Produkte zur Marktreife gebracht, und Fachdomänen digitalisieren sich zunehmend selbst.

Deshalb wächst auch die Besetzung unseres Netzwerks um Fachcommunities digitale Verwaltung, Logistik, Stadtmarketing und City Management, Immobilien- und Bauwirtschaft u.v.m. Anschließend wurde an fünf Filmsets gedreht.

Filmplakat Gabi bringt ihr Auto auf die Straße

Filmplakat KI-generiert

Session Verwaltung: Prozesswand zu Gabis Autozulassung

Verwaltung: Gabi bringt ihr Auto auf die Straße

Regie: David Sossna, Smart Region Koordinator beim Kreis Steinfurt

Eine Behördenkomödie im Stil der 80er: Mit der Kopfstandmethode hat diese Gruppe bewusst den umständlichsten Zulassungsprozess entworfen, den man sich vorstellen kann, von „Ich habe ein Auto gekauft“ bis „Ich darf fahren“. Herausgekommen ist ein herrlich absurder Prototyp:

  • Mehrfach-Authentifizierung über Bund, Land und EU
  • Originale überall: notarielle Kaufurkunde, Originalunterschriften, Geburtsurkunde für die Kfz-Steuer und ein Führungszeugnis
  • Medienbrüche über ein Portal des Gebietsrechenzentrums und eine Bekanntgabe per Post
  • Das „Seepferdchen“ als Pflichtnachweis in wasserreichen Gebietskörperschaften

Auf meine Frage, wie nah das an der Realität sei, kam prompt: „Das ist die Realität.“ – mit einem Augenzwinkern. Aber grundsätzlich liegt genau darin der Wert dieser Methode: Sie macht Systembrüche, Mehrfachnachweise, Schriftform und die Abhängigkeit von einzelnen Personen sichtbar.

Im nächsten Schritt könnte der Kopfstand umgedreht werden und aus jeder Hürde eine Verbesserung abgeleitet werden.

IoT: Rathaus auf Empfang

Besetzung: Dr. Simon Bunjamin, Berlin Energie Netz und Service, als Lorenz, Maximilian Roth, Fraunhofer IIS und mioty alliance, als Mia, und Lucas Wiermann, ASEW, als Sachverständiger

Eine romantische Komödie aus Sensoringen: Im Planspiel brauchte die fiktive Stadt eine IoT-Strategie, denn die Stadtwerke müssen 40.000 Wasserzähler tauschen. Lorenz (LoRaWAN) und Mia (mioty) mussten klären, ob sie Konkurrenten oder Teamplayer sind, NB-IoT und Sigfox mischten als Störkarten mit:

  • LoRaWAN punktet mit einem großen Ökosystem und hoher Reichweite.
  • mioty ist besonders zuverlässig bei schwachem Signal, etwa im Keller, und bei sehr vielen Sensoren.
  • NB-IoT ist über den Mobilfunk flächendeckend verfügbar, aber weniger energieeffizient.
  • Sigfox hat eine hohe Reichweite, aber man ist an einen Betreiber gebunden.

Durchgespielt wurden der Wasserzähler im Keller, der heiße Schulhof und Laub in Sinkkästen. Das Fazit: Teamplayer statt Gegenspieler. Viele Fälle lassen sich mit mehreren Technologien lösen, entscheidend sind das bereits gewachsene Ökosystem und die Wirtschaftlichkeit. Zentral ist außerdem die Datenkontinuität, etwa für ein Hitzemonitoring.

Am Ende stand der erste Entwurf einer Ratsvorlage, an der wir weiterarbeiten werden.

Filmplakat Rathaus auf Empfang, LoRaWAN und mioty

Filmplakat KI-generiert

 

Digitale Zwillinge: Frag den Zwilling

Besetzung: Tobias Hanke, Kreis Herford, als Chefprüfer, und Jens Wille, Ubilabs, als Sachverständiger

Ein Verhör-Krimi im Stil des Film noir: Rund 25 Teilnehmende haben dem digitalen Zwilling Fragen aus ihrem Arbeitsalltag gestellt, von der Kita-Bedarfsplanung über Lärm an Straßen bis zu Umleitungen beim Brückenneubau. Jede Frage wurde auf einer Matrix aus Nutzen und Aufwand eingeordnet:

  • Quick Win: lohnt sich, geht schnell
  • Arbeitspferd: lohnt sich, braucht Aufbau
  • Spielwiese: geht schnell, bringt wenig
  • Showroom: aufwendig, bringt wenig

Bemerkenswert: Im Showroom landete keine einzige Frage, fast alle lagen über der Nutzen-Mittellinie. Der Aufwand hängt stark von den Voraussetzungen der Kommune und des Bundeslands ab. Was für die eine Kommune kaum eine Rolle spielt, etwa der Schattenwurf auf Spielplätzen, ist für die andere ein Top-Thema. Genau diese Vielfalt der Perspektiven war der Gewinn der Session.

Als Aufgabe nehme ich persönlich aus der Gruppe mit, dass wir den Nutzen digitaler Zwillinge für Bürgerschaft und Wirtschaft noch besser zu erklären müssen.

Filmplakat Frag den Zwilling

Filmplakat KI-generiert

Die letzte Meile smart organisiert

Besetzung: Andreas Schumann, BdKEP, Ruben Dahmen, bace, und Carina Heinz, Difu und Radlogistikverband Deutschland

Ein Actionfilm aus der Innenstadt, live aufgenommen für den Urban Digital Podcast. Die Leitfrage: Wer gestaltet die letzte Meile, die Kommune, die Konzerne oder die lokalen Akteure?

  • These: Vieles wird seit 25 Jahren gleich diskutiert. Es gibt mehr Pakete und Fahrzeuge, aber wenig Innovation bei Bündelung, anbieteroffenen Paketstationen und Verkehrssteuerung.
  • Gegenthese: Lastenräder übernehmen Aufgaben von Sprintern, Kommunen erkennen ihre aktive Rolle bei Flächen, Mehrfachnutzung und datengetriebener Steuerung, und CO₂-Preis wie Arbeitsmarkt erhöhen den Druck.

Einig war sich die Runde unter anderem darin, dass viele Daten zum Wirtschaftsverkehr fehlen bzw. in Entscheidungen überführt werden müssen.

Ruben Dahmen formulierte daraus ein konkretes Angebot: Start-ups mit Daten und mutige Kommunen an einen Tisch bringen und gemeinsam simulieren, was sich über Pakete hinaus bündeln lässt. Die Aufnahme erscheint als Folge im Urban Digital Podcast.

Filmplakat Die letzte Meile, live auf Sendung

Filmplakat KI-generiert

Live-Podcast-Aufnahme zur letzten Meile beim Netzwerktreffen in Berlin

Clara moderiert das Podcast-Session

Filmplakat Operation Wirkung

Filmplakat KI-generiert

Session KI-Wirkungsmessung mit SCALE beim Netzwerktreffen in Berlin

KI-Wirkungsmessung: Operation Wirkung

Besetzung: Leonie Taieb und Dr. Klaus Krumme, Universität Duisburg-Essen (SCALE)

Ein Coup-Film über Wirkung: Was bringen Digitalisierung und KI wirklich, und wie lässt sich das messen? Im Workshop drehte sich die Diskussion um eine Grundsatzfrage: Erst die Technologie und dann die Wirkung, oder erst das Wirkungsziel und dann die Technologie?

Die Gruppe kam zu einer klaren Reihenfolge: Wirkungsziel, Kompetenz, Ressourcen und Daten kommen zuerst, die Technologie steht am Ende. Aus Sicht der Hardware kam der Einwand, dass es ohne gute Daten keine „Agentic City“ gibt.

  • Es wird zu viel über Technologie und Indizes gesprochen. Spätestens am Ende von Förderlaufzeiten zeigt sich, dass es um Kompetenz, Ressourcen und Verstetigung geht.
  • Wirkung muss auch sozial und nachhaltig gedacht werden.
  • Lernen funktioniert als Kreislauf im Netzwerk.

Das Projekt SCALE lädt Kommunen ein, eigene Fragen und Themen einzubringen.

Premiere und Preisverleihung

Die Awards 2026

Zur Premiere präsentierten alle fünf Filmsets ihre Ergebnisse, das Publikum stimmte per Zuruf ab. Die Awards gingen an:

  • Klarster Blick in die Zukunft: Die letzte Meile smart organisiert
  • Glanzvollste Premiere: Gabi bringt ihr Auto auf die Straße
  • Dringendster Einsatz: Operation Wirkung

Danke an alle Mitwirkenden vor und hinter der Kamera! Der Abspann ist gelaufen, die Fortsetzung folgt.