Die Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (ASEW) mit Sitz in Köln ist seit 1989 das Effizienz-Netzwerk für Stadtwerke, hervorgegangen aus dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU). Rund 400 Stadtwerke bündeln hier ihre Schwarmintelligenz. Lucas Wiermann verantwortet als Senior-Projektmanager für Netz & Digitalisierung sowie Leiter des Arbeitskreises LoRaWAN & IoT die digitale Weiterentwicklung im Energieumfeld.
Beim Urban Digital-Netzwerktreffen rund um digitale Stadtentwicklung am 12. Oktober in Berlin ist er dabei. Wir freuen uns, dass er mit seiner Expertise unser Jahrestreffen bereichern wird. Wir haben ihn vorab gefragt, welche Trends das Stadtwerke-Netzwerk aktuell bewegen.
Welche Themen beschäftigen das Netzwerk aktuell am meisten?
Im Vordergrund steht derzeit das Monitoring der eigenen Infrastruktur, und hier besonders der Anlagenschutz. Unsere Mitglieder überwachen Liegenschaften, Kabel und kritische Anlagen wie Umspannwerke. Dazu kommt das Monitoring von Bauwerken, damit Schäden früh erkannt werden und beispielsweise Rissmonitoring an Brücken, um Statiker:innen mit einer fundierten Datengrundlage besser unterstützen zu können, sowie die Analyse des Straßenzustands. Beim Anlagenschutz geht es um umfassende kamerabasierte Verfahren rund um Gebäude unter anderem mittels Drohnen sowie des Schutzes vor Drohnen.
Ein Dauerthema bleibt die Standardisierung. Wo hakt es in der Praxis?
In der Praxis treffen wir immer wieder auf Systembrüche, weil Datenformate nicht zusammenpassen. Ein anschauliches Beispiel sind die Glascontainer: Entsorgungsbetriebe werden großteils fahrtbasiert vergütet und nicht über Pauschalkosten. Dadurch fehlt der Anreiz, gezielt nur volle Container anzufahren und die Touren intelligenter zu planen. Solange einheitliche Standards fehlen, bleibt eine Trägheit im System, die sich nur über kluge Anreizmechanismen auflösen lässt.
Regulatorisch blicken Sie mit Sorge auf die Bundesnetzagentur. Was steht an?
Uns beschäftigt die laufende Konsultation der Bundesnetzagentur zum Katalog der Sicherheitsanforderungen. Es zeichnet sich ab, dass IoT-Netze künftig nicht nur angemeldet werden müssen, sobald ein Versorger für Dritte tätig ist (und das schließt die eigenen kommunalen Kunden ein), sondern auch ein deutlich höherer Anspruch an das hinterlegte Sicherheitskonzept gestellt werden soll.
Die Vorgaben für das neue Sicherheitskonzept werden angelehnt an die NIS-2-Richtlinie der EU zur Sicherstellung höherer Cybersicherheit. Diesen Aufwand halten viele für zu hoch. Sollte es so kommen, dürften die Versorger ihre IoT-Netze nur noch hausintern betreiben und sich auf unregulierte Bereiche wie Wasser und Wärmenetze konzentrieren, etwa auf die Leckageortung oder die Automatisierung der Abfrage von Wasserzählerständen.
Wie ordnen Sie die Wahl der Funktechnik ein, allen voran mioty oder LoRaWAN?
Beide Technologien haben klare Vor- und Nachteile: Für Anwendungen tief im Gebäudeinneren spielt mioty seine Stärke aus. Durch das sogenannte Telegram Splitting wird ein Signal in viele Teilpakete zerlegt und ermöglicht dadurch einen robusteren Übertragungsweg, womit die Nachricht selbst dann noch empfangen und verarbeitet werden kann, wenn bis zur Hälfte der Pakete durch Störungen verloren geht. LoRaWAN punktet dagegen mit einem ausgereiften, weltweiten Ökosystem, einer enormen Herstellerauswahl und durch hohe Stückzahlen meist günstigeren Hardware-Kosten.
LoRaWAN ist zudem deutlich verbreiteter, erprobter und vielerorts bereits ausgebaut. Stadtwerke haben diese Technologie seit Jahren im Einsatz, haben bereits vielfältige Erfahrungen gemacht und sind daher besonders versiert im Einsatz dieser Funktechnologie. In der Praxis zeigen sich aber Grenzen: Die oft genannten 15 Kilometer Reichweite eines Gateways sind im dicht bebauten urbanen Raum nicht zu erreichen. Und bei gleichzeitiger Last stößt die Technik an ihre Grenzen, etwa wenn am Abend alle Leuchtpunkte zur selben Zeit angesteuert werden sollen.
Im ASEW-Arbeitskreis LoRaWAN & IoT sind wir bereits über den Punkt „welche Technologie ist besser“ hinaus. Ein gesunder Mix macht den Erfolg. Jede Technologie hat ihre Stärken und Schwächen, durch unseren Austausch wissen unsere Mitglieder, wo sie gezielt die Stärken einer jeweiligen Technologie zum Einsatz bringen und wo besser auf einen anderen Übertragungsweg gesetzt werden sollte.
Lucas Wiermann treibt als Senior Projektmanager für Netz & Digitalisierung im Stadtwerkenetzwerk ASEW die digitale Weiterentwicklung im Energieumfeld voran. Seine Schwerpunkte liegen auf dem strategischen Ausbau von LoRaWAN-, IoT- und Smart-City-Themen sowie auf der Weiterentwicklung der Digitalisierung im Stromnetz.
Als Leiter des Arbeitskreises LoRaWAN & IoT gestaltet er relevante Zukunftsthemen aktiv mit und unterstützt Mitglieder der ASEW dabei, digitale Potenziale in konkrete, praxisnahe Anwendungen zu überführen. Dabei verbindet er strategisches Denken mit hoher Praxisnähe und befähigt Stadtwerke, die notwendigen Voraussetzungen für vernetzte, effiziente und zukunftsfähige Infrastrukturen gezielt aufzubauen.
Wer mit Lucas Wiermann über diese Trends ins Gespräch kommen will, trifft ihn beim Urban Digital-Netzwerktreffen rund um digitale Stadtentwicklung am 12. Oktober in Berlin.


