Samstag, 5. April 2025
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Offene Daten – Offene Türen?

Titelbild: © aconium GmbH
Autoren: Dilara Sir, Martin Guth

Chancen, Potenziale und Umsetzungsmöglichkeiten von Open Data in kleinen und ländlichen Kommunen in Deutschland

Während es Länder wie Frankreich und Polen schon mit Erfolg vormachen, steckt in vielen deutschen Kommunen ein enormes ungenutztes Potenzial hinter noch verschlossenen Türen: Daten. Open Data, oder einfach offene Daten könnten Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft grundlegend verändern. Gerade für kleine und ländliche Kommunen könnte Open Data weit mehr sein als ein abstraktes Digitalthema: Rohdaten in Informationen und Wissen verwandeln, Innovation antreiben und Transparenz stärken.

Deutschland fällt im EU Open Data Maturity Report 2024 mit dem größten Punktverlust zurück und landet auf Platz 25.¹ Besonders in ländlichen Kommunen wird ein erheblicher Nachholbedarf festgestellt.² Doch welche Chancen und Potenziale liegen hinter diesen Türen, und wie lassen sie sich öffnen?

1. Was ist Open Data?

Open Data bezeichnet Daten, die offen, qualitativ hochwertig und maschinenlesbar, sowie frei zugänglich und uneingeschränkt verfügbar sind, sodass sie jeder nutzen, weiterverarbeiten und teilen kann.³ Sie werden unter offenen Lizenzen bereitgestellt, sodass sie für verschiedene Anwendungen und Zwecke genutzt werden können.⁴ Offene Datensätze können aus den unterschiedlichsten Bereichen, wie Verwaltung, Wissenschaft, Verkehr und Wirtschaft stammen.

Open Data kann anhand verschiedener Modelle bewertet werden. Das Open Data Maturity Model der EU bewertet so beispielsweise den Reifegrad von Open Data in europäischen Ländern anhand von vier Dimensionen: Politik, Portal, Qualität und Wirkung.⁵ Deutschland fällt insbesondere in den Kategorien Qualität und Wirkung weiter zurück. Dabei kann eine höhere Datenqualität, der gezielte Einsatz und die Nutzung von Open Data sowohl wirtschaftliche als auch gesellschaftliche Chancen mit sich bringen.

©aconium GmbH

2. Chancen und Herausforderungen von und für Open Data

Das Bereitstellen von Open Data wird für Kommunen mit zahlreichen Vorteilen verbunden. Bereits bei einer Kommunalbefragung 2022 sahen knapp ein Viertel der befragten Kommunen Open Data und die Bereitstellung ihrer Datenbestände als Chance.⁶ Insbesondere der Punkt transparenteres Handeln wird auf gesellschaftlicher Ebene als zentrale Chance gesehen. Eine offene und transparente Verwaltung fördert die Nachvollziehbarkeit staatlichen Handelns, was zu einem gestärkten Vertrauen der Öffentlichkeit und einer Steigerung der Akzeptanz und Wahrnehmung kommunaler Arbeit führen kann.⁷ Wie das Open-Data-Portal der Stadt Bonn zeigt, ermöglicht ein freier Zugang zu Daten der Stadtgesellschaft, eine aktivere Teilhabe, um schließlich innovative und nachhaltigere Lösungen zu entwickeln.⁸

Auch verwaltungsintern bietet Open Data erhebliche Mehrwerte, indem es Prozesse optimiert und Bürokratie abbaut. Durch offene Schnittstellen (APIs) können Verwaltungsdaten und -unterlagen effizienter genutzt werden, bürokratische Hürden reduziert und bestehende Datensilos aufgebrochen werden. Das erleichtert den Austausch zwischen Bürgerschaft, Behörden und Organisationen.⁹ ¹⁰ Ein wichtiger Schritt nach der Öffnung der Daten ist die eigentliche Nutzung dieser, zum Beispiel im Rahmen der Umsetzung eines urbanen Digitalen Zwillings. Digitale Zwillinge als Abbilder realer Objekte und städtischer Prozesse können durch die Bereitstellung von Open Data kontinuierlich aktualisiert werden, was präzisere Analysen, eine bessere Entscheidungsgrundlage und dadurch auch eine vorausschauende kommunale Planung und Steuerung erlaubt. Der Digitale Zwilling der Stadt Rotterdam zeigt beispielsweise, dass Open Data durch die Bündelung auf einer zentralen Plattform einen erheblichen Mehrwert schafft. Als „zentrale Datendrehscheibe“ kann der Digitale Zwilling so für Analysen und Simulationen genutzt werden, ohne bestehende Verwaltungsprozesse zu verändern.¹¹

Viele Kommunen sind sich zunächst des Mehrwerts offener Daten nicht bewusst. Darüber hinaus fehlen den meisten kleinen und ländlichen Kommunen schlicht die personellen und finanziellen Ressourcen, um entsprechende Projekte zu realisieren.¹² Zudem mangelt es an technischem Wissen und Know-How (Dataliteracy), wodurch die Datenaufbereitung und Bereitstellung erschwert werden. Datenschutzrechtliche Bedenken, insbesondere in Bezug auf die DSGVO, stellen eine weitere Hürde dar.¹³ Ein weiteres und zudem großes Problem ist die uneinheitliche Datenqualität sowie die fehlende Standardisierung, wodurch die Nutzbarkeit der Daten eingeschränkt wird.¹⁴

3. Handlungsempfehlungen für kleine Kommunen

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, sollten Kommunen schrittweise vorgehen. So sollten kleine Gemeinden zunächst Sensibilisierungs- und Schulungsmaßnahmen für Mitarbeitende und politische Entscheidungsträger:innen durchführen, um Vorbehalte abzubauen und technisches Wissen aufzubauen. Hierfür eignen sich zum Beispiel kostenlose Angebote wie die Trainings- oder E-Learningmodule von EU-Projekten¹⁵. Interkommunale Kooperationen mit anderen Städten sind sinnvoll, um Ressourcen zu bündeln und gemeinsame Open-Data-Plattformen wie GovData zu nutzen.

Beispielsweise werden im INTERREG-Central Europe Projekt DoorCE lokale Daten-Hubs entwickelt. Anhand von No- bzw. Low-Code-Tools können die offenen Daten aus den lokalen Daten-Hubs schnell, einfach und ohne tiefgründige technische Erfahrung (bspw. durch KMUs und Bürger:innen) in weitere Anwendungen implementiert werden. Das Ziel hierbei ist ein stetiger Datenfluss von Echtzeitdaten. Eine schrittweise Einführung durch Pilotprojekte bzw. Use-Cases, beispielsweise mit Umwelt- oder Verkehrsdaten, kann zudem den Einstieg in eine Open Data getriebene Entwicklung erleichtern.

„Nachdem erste Zuständigkeiten geklärt und ein erstes Team geformt wurde, ist der Aufbau eines ersten internen Datenkatalogs immer empfehlenswert. Der ist der Ausgangspunkt für die weitere Arbeit. Der Katalog schafft einen internen Überblick, man kann mit den bewährten Kriterien des „internen Datenmonitorings“ die Eignung eines Datensatzes für die Veröffentlichung beurteilen und auf Basis des Katalogs die weiteren Schritte planen.“

Mag. Bernhard Krabina, Experte Data Excellence und Open Data, IKT Linz GmbH

Auch sollte auf Open-Source-Lösungen gesetzt werden (bspw. CKAN), da sie eine kosteneffiziente Möglichkeit zur Datenveröffentlichung bieten.

Zudem sollten Kommunen Förderprogramme auf Landes-, Bundes- oder EU-Ebene nutzen, um finanzielle Unterstützung zu erhalten. Einheitliche Datenformate und APIs verbessern die Interoperabilität, während eine aktive Bürgerbeteiligung die Akzeptanz steigert. Durch diese Maßnahmen können auch kleine Kommunen Open Data effizient nutzen und von ihren Vorteilen, wie mehr Transparenz und Innovation, profitieren.

4. Fazit

Selbst mit begrenzten Ressourcen können kleine Kommunen Open Data erfolgreich einführen, wenn sie strategisch vorgehen. Der erste Schritt besteht darin, die Potenziale offener Daten für Städte zu identifizieren und eine integrierte Datenstrategie zu entwickeln. Ergänzend dazu sollten erste Beteiligungsformate für Verwaltungsmitarbeitende und der Bevölkerung eingeführt werden. Parallel oder anschließend kann die Entwicklung von Use-Cases und Pilotprojekten dazu beitragen, eine Open-Data basierte Stadtentwicklung voranzutreiben.

Autoren

Dilara Sir

Projektmanagerin Regionalentwicklung / Smart City & Region
aconium GmbH
LinkedIn-Profil

Martin Guth

Projektmanager Smart City & Region
aconium GmbH
LinkedIn-Profil

Quellen

Letzter Zugriff auf alle Quellen: 24.03.2025

¹ European Commission (Hrsg.) (2024): 2024 Open Data Maturity Report, Luxembourg, S. 6. URL: https://data.europa.eu/sites/default/files/odm2024_full_report_0.pdf

² Bertelsmann Stiftung (Hrsg.) (2022): Kommunalbefragung Open Data 2022. In: LebensWerte Kommune, Ausgabe 4, S. 8. URL: https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/PicturePark/2022-11/Kommunalbefragung_Open_Data_2022.pdf

³ Cooperation OGD Österreich (Hrsg.) (2023): Ein Leitfaden für offene Daten, S. 2-9. URL: https://www.data.gv.at/wp-content/uploads/2023/07/Open_Data_Leitfaden_20230622.pdf

⁴ Bertelsmann Stiftung (Hrsg.) (2020): Ein Leitfaden für offene Daten, S.8. URL: https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/Projekte/Smart_Country/Open_Data_Leitfaden.pdf

⁵ European Commission (Hrsg.) (2024), S.15

⁶ Bertelsmann Stiftung (2022), S. 5

⁷ TSB (Hrsg.) (2014): Digitales Gold. Nutzen und Wertschöpfung durch Open Data für Berlin, S. 15. URL: https://www.technologiestiftung-berlin.de/downloads/digitales-gold-nutzen-und-wertschoepfung-durch-open-data

⁸ Fraunhofer IESE (Hrsg.) (2023): Open Data für Smarte Landkreise, S. 8. URL: https://toolset.deutschlanddigital.org/wp-content/uploads/sites/17/2023/05/Open-Data-fuer-Smarte-Landkreise.pdf

⁹ Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) (Hrsg.) (2021): Open-Data-Strategie der Bundesregierung, S. 14. URL: https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/themen/moderne-verwaltung/open-data-strategie-der-bundesregierung.pdf?__blob=publicationFile&v=6

¹⁰ Bertelsmann Stiftung (2022), S. 6

¹¹ BBSR (2023): Digitale Zwillinge. Potenziale in der Stadtentwicklung, S. 14. URL: https://www.smart-city-dialog.de/system/files/media/1247/1698743169/digitale-zwillinge-dl.pdf

¹² Bertelsmann Stiftung (Hrsg.) (2020): Open Data in Kommunen – Eine Kommunalbefragung zu Chancen und Herausforderungen der Bereitstellung offener Daten, S.10 ff. URL: https://backend.repository.difu.de/server/api/core/bitstreams/45f524c9-246f-4496-9898-1d5fe7c3c47b/content

¹³ Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) (Hrsg.) (2021): Open-Data-Strategie der Bundesregierung, S. 15 ff.. URL: https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/themen/moderne-verwaltung/open-data-strategie-der-bundesregierung.pdf?__blob=publicationFile&v=6

¹⁴ Bertelsmann Stiftung (2020), S.15

¹⁵ Zum Beispiel: CORA x COM3 https://ruraldigital.eu/training/ sowie Data for All: https://www.interregnorthsea.eu/data-for-all/news/training-why-data-sovereignty-is-vital-for-communes

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