StartDigitale StadtVon der Stadtplanung zur Messsensorik – Jan-Philipp Exner im Gespräch

Von der Stadtplanung zur Messsensorik – Jan-Philipp Exner im Gespräch

Dr. Jan-Philipp Exner ist Raum- und Umweltplaner und verantwortet bei Zenner International die Smart City Strategie. Zenner ist mit über 120 Jahren Geschichte einer der traditionsreichen Messsystem-Anbieter (Wasser-, Wärme-, Gaszähler), heute mit einem breiten Portfolio im Bereich IoT-Plattformen und LoRaWAN-Konnektivität. Er leitet zudem die Smart-Cities-Arbeitsgruppe der LoRa Alliance. In diesem Interview sprechen wir über seinen Werdegang, seine Eindrücke von der IPSC und dem hessischen Leitkongress und wie es mit Smart Cities nach dem Förderende weitergehen kann.

1. Von der Stadtplanung zur Messsensorik

Wie ist die Brücke zwischen Stadtplanung und einem Messsystem-Unternehmen wie Zenner entstanden?

Meine fachliche Herkunft ist die Raum- und Umweltplanung, das habe ich an der TU Kaiserslautern studiert. Böse Zungen würden sagen, ich habe mich am Anfang dem Digitalen zugewandt, weil zu meinen Anfangszeiten das klassische Planungsfeld noch sehr handwerklich war. Bei Zenner kommen heute zwei Welten zusammen: einerseits das klassische Messen physischer Größen in der städtischen Infrastruktur, andererseits eine eigene Strategieabteilung für digitale Stadtentwicklung, die diese Daten in Kontexten wie Klimaanpassung, Energieversorgung und urbaner Planung nutzbar macht. Das verbindet sich mit der Stadtplanung sehr unmittelbar: dort, wo es um Infrastruktur und ihren Betrieb geht, sind wir am Ende derselben Frage.

2. Eindrücke vom Hessen-Kongress und der IPSC

Du hast in den letzten Wochen den Hessen-Kongress in Marburg und die IPSC-Konferenz in Kaiserslautern besucht. Was nimmst du als Takeaway aus beiden Veranstaltungen mit?

Aus Kaiserslautern ist mein generelles Takeaway, dass die demografischen Auswirkungen auf die kommunale Planung und auf die digitale Infrastruktur kaum stark genug betont werden können. In Marburg, beim Leitkongress des Hessischen Ministeriums, war eindrucksvoll, wie geschlossen die Akteure dort zusammenkommen, weil das Ministerium als neutraler Einlader wirkt. Hessen ist meiner Ansicht nach eine Vorreiter-Region in Deutschland. Beide Termine haben dasselbe Grundproblem gezeigt: auf der strategischen Ebene sind sich viele einig, in der operativen Umsetzung in den Fachabteilungen ist noch Luft nach oben.

3. Diagnose der Smart-City-Community nach MPSC

Welche Diagnose stellst du zum Stand der Smart-City-Community nach dem Auslaufen der Modellprojekte Smart Cities?

Das Modellprojekte-Smart-Cities-Programm war eine wichtige Initialzündung für die deutsche Kommunalverwaltung, das will ich klar positiv konstatieren. Mein Problem fängt danach an: die Smart-City-Community und die Infrastrukturwirtschaft sind nach meiner Wahrnehmung immer noch komplett unterschiedliche Welten. Die Notwendigkeit der Kooperation wird grundsätzlich gesehen, aber der systemische Brückenschlag fehlt. Solange das so ist, läuft jeder konkrete Use Case potenziell zweimal: einmal in den Förderprojekten und einmal beim Stadtwerk oder im Tiefbauamt vor Ort. Das zu verschränken, ist die zentrale Hausaufgabe für die nächsten Jahre.

4. LoRa Alliance: die ideelle Ebene

Du leitest bei der LoRa Alliance die Arbeitsgruppe Smart Cities. Was kann diese ideelle Ebene konkret dazu beitragen?

Die LoRa Alliance ist die internationale Vereinigung zur Förderung von LoRaWAN-Infrastruktur und Anwendungen. In der Smart-Cities-Arbeitsgruppe haben wir u.a. typische Use Cases aus Firmenpartnern und Städten weltweit auf einer Übersichts-Infografik zusammengefasst. Es dient als einfaches visuelles Hilfsmittel, mit dem Kommunen für sich sortieren können, was es eigentlich gibt. Das ersetzt nicht den lokalen Schulterschluss zwischen Verwaltung, Stadtwerk und Anbieter, hilft aber bei der ersten Orientierung.

5. ZENNER im kommunalen IoT-Stack

Wo greift Zenner konkret in den IoT-Stack einer Kommune ein und wo ist die Übergabe an eine kommunale Datenplattform?

Wir kommen aus dem Hardware-Geschäft: Sensoren, Wasserzähler, Gateways, alles bis in die IoT-Plattform hinein. Wer beispielsweise ein LoRaWAN-Netz mit eigener Plattform aufbauen will, kann das komplette Paket bei uns einkaufen. Spannend wird es am Übergabepunkt zur urbanen Datenplattform: an dieser Schnittstelle entscheidet die Kommune, in welcher Granularität und Qualität die Daten weiterverarbeitet werden sollen, und das bemisst maßgeblich die Betriebskosten. Wir bringen Integrationen mit gängigen kommunalen Datenplattformen mit, der Sweet Spot des Gesprächs liegt aber in der Anwendungsfall-Diskussion vorab: was soll mit den Daten eigentlich passieren?

6. Empfehlung: Smart Country Convention 2026

Welche Veranstaltung empfiehlst du als nächstes Branchentreffen, um diese Themen weiter zu diskutieren?

Aus meiner Sicht ist die Smart Country Convention vom 13. bis 15. Oktober 2026 in Berlin der wichtigste Termin der zweiten Jahreshälfte für die Smart-City-Community. Sie bringt genau die Akteure aus Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen, deren Verschränkung wir die ganze Zeit eingefordert haben. ZENNER ist dort mit eigenem Auftritt vertreten – wer sich vorab abstimmen will, erreicht mich gut über mein LinkedIn-Profil.

Vielen Dank an Jan-Philipp Exner für das Gespräch.

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