Georg Würffel ist Geschäftsführer des Zentrums für Digitale Entwicklung, Johannes Röder seit knapp sechs Jahren Teil seines Teams. Im Rahmen des Interreg-Donauraum-Projekts PilotInnCities haben sie das agile Pilotieren als kompakte Methode aus Finnland in sechs Länder rund um die Donau gebracht und in vier deutschen Piloten im Landkreis Wunsiedel konkret umgesetzt. Wir haben mit beiden über die Methode, die Piloten und die Frage gesprochen, wie es nach dem Ende des MPSC-Förderprogramms mit dem agilen Pilotieren in Deutschland weitergeht.
1. Das Projekt PilotInnCities
Was steckt hinter dem Projekt PilotInnCities und welche Länder sind im Donauraum beteiligt?
Im Projekt sind sechs Länder dabei: Tschechien, die Slowakei, Rumänien, Ungarn, Serbien und Deutschland. Gefördert wird das Vorhaben aus dem Interreg-Donauraum-Programm der EU-Kommission, daher folgt auch die geografische Anordnung. Das ist auch der Grund, warum wir in Deutschland nur mit dem Landkreis Wunsiedel als Region entlang der Donau vertreten sind. Die Idee war, das agile Pilotieren als Methode aus Finnland in die Region zu holen, gemeinsam zu adaptieren und in konkreten kommunalen Anwendungsfällen zu testen.
2. Was heißt agiles Pilotieren?
Was bedeutet agiles Pilotieren konkret und woher kommt die Methode?
Wir versuchen, ein technisches Problem gemeinsam mit den Führungs- und Fachkräften der Städte zu erfassen, und sagen dann: das können wir lösen. Es wird eine kleine Summe aufgewendet, in der Regel 5.000 bis 10.000 Euro, die Projektlaufzeit beträgt drei bis maximal sechs Monate. Aus Finnland kommt die Grundidee, die Themen relativ offen anzuschieben, es gibt dort einen Open Call, in dem Anbieter und Kommunen sich erst nachträglich finden. Für Deutschland haben wir uns entschieden, die Fälle vorab konkret mit der Verwaltung zu definieren, damit die Ergebnisse anschlussfähig an bestehende Prozesse sind.
3. Einstieg strategisch oder operativ?
Auf welcher Ebene steigt man in der Kommune ein, strategisch oder operativ?
Wir sind am Ende dahingekommen, dass man auf zwei Grundströmungen pilotieren kann. Die finnische Ursprungsversion ist sehr offen: ein Open Call mit Themenfeldern, in dem Lösungsanbieter und Kommunen sich erst nachträglich finden. Für Deutschland haben wir uns bewusst für den umgekehrten Weg entschieden, also zuerst gemeinsam mit den Fachbereichen sehr konkret einen Anwendungsfall zu definieren und erst danach einen Anbieter dazu zu suchen. Der Vorteil ist, dass der Pilot in der Kommune anschlussfähig bleibt, weil er auf einer real vorhandenen Anforderung sitzt.
4. Vier Piloten im Landkreis Wunsiedel
Welche vier Pilotprojekte sind im Landkreis Wunsiedel umgesetzt worden?
Wir haben mit den vier deutschen Piloten ein sehr breites Spektrum abgedeckt. In Kirchenlamitz ging es um Wanderparkplätze mit klassischen Mülleimern: über LoRaWAN mit eigens entwickelter Sensorik sieht der Bauhof, in dieser kleinen Kommune sogar der Bürgermeister persönlich, wann welche Mülleimer voll sind und kann die Leerung effizient planen. Die anderen drei Piloten haben wir jeweils an einem Fachthema aufgehängt, das die Kommune selbst identifiziert hat, sodass die Ergebnisse direkt in die Verwaltungsarbeit anschlussfähig sind.
5. Agiles Pilotieren zwischen Beschaffung und MPSC-Erbe
Wie passt das agile Pilotieren zwischen klassischer Beschaffung und dem MPSC-Erbe?
Mit Beträgen von 5.000 bis 10.000 Euro ersetzt das natürlich keine größeren Beschaffungsprozesse. Was die Kommunen in der Rückschau aber besonders schätzten, ist die Funktion als vorgeschalteter Prozessschritt vor einer größeren Ausschreibung. Wir müssen im Vorfeld gar nicht so genau wissen, was am Ende beschafft werden soll: das agile Pilotieren räumt Optionen aus, zeigt Grenzen der Technik und Grenzen der eigenen Prozesse und liefert damit eine solide Grundlage für die spätere klassische Beschaffung.
6. Wie geht es weiter?
Wie geht es jetzt mit der Methodik weiter, gerade nach dem MPSC-Förderende in Deutschland?
PilotInnCities ist als Flagship-Projekt der EU wahrgenommen worden, was uns Einladungen in viele Anschluss-Diskussionen bringt, unter anderem zu den Donaufest-Tagen in Ulm Anfang Juli und zur Bundeskonferenz Interreg. Ein Folgeprojekt unter dem Arbeitstitel ist bereits in der Vorbereitung. Tschechien hat das agile Pilotieren bereits in seine Strukturpolitik aufgenommen, in den europäischen Nachbarstaaten ist der Druck entsprechend hoch. Für Deutschland ist die zentrale Aufgabe jetzt, die im MPSC-Programm geschaffenen Strukturen in die Regelfinanzierung zu überführen, damit das agile Pilotieren als Methode kein einmaliger Sonderweg bleibt.
Vielen Dank an Georg Würffel und Johannes Röder für das Gespräch. Weiterführende Informationen zum Projekt gibt es im offiziellen Abschlussbeitrag des Zentrums für Digitale Entwicklung: INTERREG-Projekt PilotInnCities erfolgreich abgeschlossen.
Hier reinhören in die Folge:
