Lukas Wolf beschäftigt sich mit Beteiligung, seit er selbst zur Schule ging. Seit 2016 ist es sein Beruf. Heute leitet er CrowdInsights und begleitet Kommunen dabei, ihre Beteiligungsprozesse wirksam zu gestalten. Er hat gesehen, was funktioniert und was schiefläuft. Was er daraus gelernt hat, lässt sich auf wenige Prinzipien herunterbrechen.
Kommunikation entscheidet alles
Das beste Beteiligungsprojekt bringt wenig, wenn niemand davon erfährt. Lukas und sein Team haben das empirisch untersucht: In einer Umfrage mit mehr als 500 Teilnehmenden fragten sie, über welchen Kanal Menschen über Beteiligungsprojekte informiert werden wollen.
„Zwei Drittel nannten klassisches Social Media, aber immer noch 40 Prozent wollten per E-Mail informiert werden.”
Lukas Wolf, Geschäftsführer CrowdInsights
Gerade einmal jeder Achte wünschte sich WhatsApp, genauso viele wie beim klassischen Brief. Für Lukas Wolf und sein Team folgt daraus eine klare Konsequenz: Kommunikation muss auf allen Kanälen laufen und von Anfang an fest in Beteiligungsprojekte eingeplant werden, so kostengünstig wie möglich.
Niedrige Hürden, echte Transparenz
Warum beteiligen sich viele Menschen nicht? In der Praxis hört Lukas dazu immer wieder drei Antworten: Zeitmangel, zu komplizierte Verfahren und der Zweifel, ob die eigene Beteiligung überhaupt etwas bewirkt.
„Beteiligung konkurriert ganz klar mit dem Alltag. Die wenigsten Menschen haben Zeit, sich bis ins letzte Detail in ein Thema einzuarbeiten.”
Lukas Wolf, Geschäftsführer CrowdInsights
Daraus ergeben sich klare Gestaltungsprinzipien: kurze Umfragen, ein direkter Einstieg, wenig überflüssige Informationen. Genauso wichtig ist Transparenz. Menschen wollen verstehen, wie ein Prozess abläuft und was mit den Ergebnissen passiert. Erst dann kann aus Beteiligung echtes Vertrauen entstehen.
Auswerten gehört zur Pflicht
Lukas hat in seiner Laufbahn schon Städte erlebt, die eine Umfrage mit 1.000 Menschen durchgeführt und sie nie ausgewertet haben. Das Problem ist verbreitet: Freitexte zu clustern und große Datenmengen zu strukturieren gehört für die meisten Verwaltungsangestellten schlicht nicht zum Kernjob.
Sein pragmatischer Tipp: alles digitalisieren, was möglich ist. Wo es erlaubt ist, kann KI als Unterstützung helfen, allerdings als Ergänzung des eigenen Urteilsvermögens und nicht als Ersatz dafür. Eine systematische Auswertung, quantitativ wie qualitativ, sollte zum Standard jedes Beteiligungsprojekts gehören.
„Egal wie viel KI man nutzt: Ein eigenes Sichten der Beiträge gehört dazu, um ein Gefühl für Ton und Stimmung zu bekommen.”
Lukas Wolf, Geschäftsführer CrowdInsights
Rückmeldung schließt den Kreis
Viele Menschen investieren Zeit, beantworten Fragen und hören danach nie wieder etwas. Für Lukas ist das einer der größten Fehler in Beteiligungsprozessen. Frustration entsteht meist erst durch das Schweigen nach der Beteiligung.
„Die Bereitschaft zur Beteiligung steigt, wenn Menschen sehen, dass ihre Perspektive in Entscheidungen eingeflossen ist.”
Lukas Wolf, Geschäftsführer CrowdInsights
Die Königsdisziplin liegt darin, konkret auf einzelne Beiträge einzugehen und zu erklären, was umgesetzt wurde und warum manches eben auch nicht. So entsteht Vertrauen, und Wirkung wird sichtbar.
Beteiligung als Infrastruktur
Am Ende läuft alles auf eine grundlegende Haltungsänderung hinaus. Beteiligung immer wieder als neues Einzelprojekt zu behandeln ist, so Lukas, der eigentliche Denkfehler.
„Bürgerbeteiligung ist kein einzelnes Tool und kein isoliertes Projekt. Sie ist ein durchgängiger Prozess.”
Lukas Wolf, Geschäftsführer CrowdInsights
Die Themen, über die gesprochen werden muss, sind ohnehin da: in Verwaltungen, Räten, der Öffentlichkeit. Die Frage ist nicht, ob man sie aufgreift, sondern wie. Wenn Beteiligung kontinuierlich in bestehende Abläufe integriert ist, muss sie auch nicht jedes Mal neu erfunden werden. Stattdessen reicht ein eingespielter Ablauf: Vorhaben kommunizieren, Feedback einholen, auswerten, einbringen, zurückmelden.
Das brauche ein wenig Übung, sagt Lukas. Aber dann könne Beteiligung zu einer Kultur werden, die ganz selbstverständlich Teil kommunaler Arbeit ist.
