Foto © Boris Golz Fotografie GmbH
Die NRW.Mobidrom GmbH ist die Landesagentur für Mobilitätsdaten in Nordrhein-Westfalen. Das Unternehmen bündelt, vereinheitlicht und stellt Mobilitätsdaten kostenfrei und rechtssicher bereit. Im Mai 2025 ging die MOBIDROM Datenplattform offiziell in Betrieb. NRW ist damit nach Baden-Württemberg das zweite Bundesland mit einer zentralen Plattform für Mobilitätsdaten.
Die Plattform richtet sich vor allem an Kommunen, ÖPNV-Akteure oder Sharing-Anbieter und liefert gebündelte Datensätze von Fahrplan- und Echtzeitdaten über Parkplatzkapazitäten bis hin zu Baustellen- und Staumeldungen. Wir haben Dr. Jochen Harding, Geschäftsführer von MOBIDROM, gefragt, welche Rolle Mobilitätsdaten für die digitale Stadtentwicklung spielen und wie Kommunen im Rheinland davon profitieren können.
Kommunen wissen häufig nicht, über welche Mobilitätsdaten sie verfügen oder welche sie bereitstellen müssen. Wie unterstützt MOBIDROM beim Einstieg in die Datenbereitstellung?
Tatsächlich erhalten wir häufig die Rückmeldung: „Wir wissen eigentlich nicht, was wir tun müssen und wo wir anfangen sollen.” Und das ist verständlich – das Thema Mobilitätsdaten ist komplex und die Bereitstellungspflichten sind nicht immer leicht zu überblicken.
Unser Ansatz ist deshalb bewusst handlungsorientiert: Im ersten Schritt informieren wir im persönlichen Austausch über Aufgaben und Chancen. Gemeinsam entwickeln wir anschließend eine Lösung, wie bereits vorhandene Daten leicht verfügbar gemacht werden können, selbst wenn diese zunächst noch nicht in passenden Standardformaten vorliegen. So bauen wir Hürden ab und erleichtern den Einstieg.
Kommunen stehen unter Druck, haben aber häufig nur geringe personelle Kapazitäten. Welche praktischen Entlastungen bietet MOBIDROM?
Wir wissen um die Engpässe in vielen Kommunen. Deshalb ist unser Anspruch, nicht zusätzliche Aufgaben zu schaffen, sondern konkret zu entlasten. So übernehmen wir an zentraler Stelle im Land die Zusammenführung in den geforderten Standardformaten und die gesetzlich vorgeschriebene Anbindung an die Mobilithek des Bundes. Darüber hinaus bieten wir kostenlose Werkzeuge für die Erfassung und Nutzung von Mobilitätsdaten. Prominentes Beispiel dafür ist unser Produkt SEVAS, über das Kommunen Restriktionen für den Lkw-Verkehr digitalisieren und eine spürbare Lenkung des Schwerverkehrs vornehmen können.
Die MOBIDROM Datenplattform ging im Mai 2025 offiziell in Betrieb. Was hat sich seitdem verändert und welche Datensätze gibt es schon?
Mit der Inbetriebnahme haben wir die technischen Voraussetzungen geschaffen, um Mobilitätsdaten im Land effizient verfügbar zu machen. Heute umfasst unser Datenbestand viele Datensätze zu Parkplatzkapazitäten, geplanten oder aktuellen Baustellen, Radwegen sowie Carsharing- und Leihroller-Angeboten – und es werden laufend mehr, was uns besonders freut. Durch die Bündelung und eine automatische Weitergabe an die Mobilithek des Bundes sind diese Informationen inzwischen deutschland- und europaweit einfach nutzbar und werden auch schon nachgefragt.
Welche Möglichkeiten eröffnet die Bündelung der Mobilitätsdaten konkret? Worin liegt der Vorteil für Kommunen?
Durch die Bündelung erhält jeder einzelne kommunale Datensatz eine erhöhte Sichtbarkeit. Mobilität hört an Stadtgrenzen nicht auf – überregionale Anwendungen binden jedoch erfahrungsgemäß einzelne kommunale Datensätze nicht prioritär ein, da der Aufwand hierfür schlichtweg zu hoch ist. Als Teil des gebündelten Datensatzes verschaffen wir lokalen Daten die notwendige Reichweite. Auf diese Weise können sich alle Reisenden in der Region darauf verlassen, dass eine aktuelle Datenbasis vorliegt – etwa in Bezug auf große Veranstaltungen oder geplante Baustellen.
Was sollten Kommunen im Rheinland jetzt tun, um Mobilitätsdaten sinnvoll zur Verfügung zu stellen?
Aus unserer Sicht entscheidend ist, den Prozess zu starten. Städte, Kreise und Gemeinden können dazu einfach den Kontakt mit uns aufnehmen. Wir gehen dann zusammen den Weg von der Erstberatung über die Datenprüfung bis hin zur Veröffentlichung über unsere Datenplattform.
Was ich mir für das Rheinland wünsche: dass wir gemeinsam eine noch stärker vernetzte und smartere Region gestalten. Hinter flächendeckend verfügbaren und qualitativ hochwertigen Mobilitätsdaten stehen mehr Transparenz und Wahlmöglichkeiten, flexiblere Verbindungen, weniger Autoverkehr und Stau, attraktivere Städte und letztlich mehr Lebensqualität für alle. Die Bereitstellung von Mobilitätsdaten ist kein Selbstzweck – vielmehr gilt es, gemeinsam den ersten Schritt in Richtung einer vernetzten Mobilität von morgen zu machen.
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Nachweise
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