Seine Expertise liegt in der strategischen Verknüpfung von Geodateninfrastrukturen, digitalen Zwillingen und Verwaltungsmodernisierung. Als Mitglied im Lenkungsgremium GDI-DE für den Deutschen Landkreistag kennt er die Perspektive der Kreise ebenso wie die bundesweiten Anforderungen. Als Vorsitzender des Prüfungsausschusses Geodäsie und Geoinformation beim Oberprüfungsamt für das technische Referendariat und Mitherausgeber des Jahrbuches „Das deutsche Vermessungs – und Geoinformationswesen 2025“ verfügt er über tiefgreifendes Fachwissen zur Integration digitaler Zwillinge in kommunale Strukturen.
Durch seine Mitautorenschaft am Leitfaden verdeutlicht er, warum digitale Zwillinge strategisch in der Verwaltungsmodernisierung verankert werden müssen und welche Rolle Kreise dabei einnehmen können.
Wie sehen Sie die Rolle der Kreise bei digitalen Zwillingen?
Die 294 Landkreise befinden sich in einem tiefgreifenden Veränderungsprozess, maßgeblich beeinflusst durch den Megatrend Digitalisierung. Gemäß Koalitionsvertrag soll eine Kultur der Datennutzung, des Datenteilens und der Datenökonomie etabliert werden. Eine Mammutaufgabe, die nur gemeinsam mit Bund, Ländern und Kommunen bewältigt werden kann.
In Nordrhein-Westfalen und auch darüber hinaus sind einige Kreise bereits dabei, digitale Zwillinge aufzubauen. Die Zwischenbilanz ist allerdings durchwachsen: Bei vielen Aufgaben wird der Aufbau digitaler Zwillinge noch zu wenig berücksichtigt. Hinzu kommt, dass Bundes- und Landesdaten oftmals zu grobkörnig sind und eigene Daten nicht in der erforderlichen Qualität zur Verfügung stehen. Außerdem fehlt in den Bundesländern eine Strategie der Vernetzung von digitalen Zwillingen im Sinne „eines Systems der Systeme“.
Angesichts dessen suchen die Kreise aktuell ihre Rolle im Verhältnis zu den Ländern und dem Bund. Benötigt wird ein gemeinsames Zielbild mit Lösung der Kernfrage: Wer macht was und stellt wem per Internetdienste zur Verfügung? Gerade die Einbindung von Kreisen ist wichtig, da deren Lösungen für kleinere kreisangehörige Kommunen sehr interessant sein können und sich die Anwendungsfälle unterscheiden. In der Praxis zeigt sich, dass gute Konzepte vorhanden sind, es aber an der Umsetzung, Finanzierung und Skalierung hakt.
Angesichts dessen ist es für mich wichtig, nicht zu sehr ins Lokale zu gehen, sondern stärker die Fläche in den Blick zu nehmen: Quasi die Weiterentwicklung von (geförderten) Experimentierorten hin zur flächenhaften deutschlandweiten Digitalisierung – mit digitalen Zwillingen.
Welche konkreten Ansätze gibt es, um einen solchen Flächenansatz in der Praxis umzusetzen?
Der Schlüssel liegt in der Vernetzung vorhandener Daten, die in Form urbaner und regionaler Datenplattformen vorzuhalten sind. Bereits heute verfügen die Kommunen über eine Flut unterschiedlich aufbereiteter Daten. Diese sind sowohl für die Verwaltungsmodernisierung als auch für digitale Geschäftsmodelle von erheblicher Bedeutung. Datenplattformen dienen dabei als infrastrukturelle Basis ganzheitlicher Datennutzung und ermöglichen einen Datenaustausch in Form einer Plattform zu Plattform-Kommunikation.
Das Copernicus-Programm liefert beispielsweise kostenfrei nutzbare Satellitendaten, gerade auf Landesebene und von regionalen Akteuren wie Zweckverbänden oder Landkreisverwaltungen gibt es Daten, die in digitale Zwillinge einfließen können. Digitale Zwillinge stellen dabei eine Schlüsseltechnologie dar und ermöglichen mittels Analysen und Szenarien neue Formen der Wissensgenerierung für Entscheidungsträger aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft.
Welcher Erfolgsfaktor ist aus Ihrer Sicht für die flächenhafte Skalierung von digitalen Zwillingen entscheidend?
Aus meiner Sicht sollten wir den Datenaspekt stärker in den Vordergrund stellen: vorhandene Daten vernetzen und Parallelentwicklungen vermeiden. In Nordrhein-Westfalen ist es beispielsweise problemlos möglich, Open-Data-Dienste in kommunale Portale einzubinden. Auf Landesebene bietet das LANUK für ganz Nordrhein-Westfalen viele Daten und Ergebnisse an, die stark in digitale Zwillinge einfließen können .
Der Schlüssel liegt in der Vernetzung von Daten und deren Darstellung in einem homogenen Umfeld. Früher wurden Daten dezentral in einzelnen Fachabteilungen verwaltet. Über den digitalen Zwilling sind wir in der Lage, diese Daten zu vernetzen, semantisch anzureichern und interdisziplinär zu nutzen. So schaffen wir eine gemeinsame Grundlage für vernetzte, leistungsfähige und nutzerzentrierte Verwaltungen.

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