Durch ihre tägliche Arbeit an der Schnittstelle zwischen technischer Umsetzung, Fachabteilungen und politischen Entscheidungsträgern kennt sie die Herausforderungen und Erfolgsfaktoren aus erster Hand. Als Mitautorin des Leitfadens bringt sie ihr Praxiswissen ein, um anderen Kommunen den Einstieg zu erleichtern.
Wie ist der aktuelle Stand digitaler Zwillinge in deutschen Kommunen und welche konkreten Ansätze haben sich bisher bewährt?
Ich glaube nicht, dass es bereits eine Kommune mit einem vollständig umgesetzten digitalen Zwilling gibt. Stattdessen betrachten wir unterschiedliche Bausteine und Anwendungsfälle. Bei der Beschäftigung mit Urbanen Digitalen Zwillingen befinden wir uns in einem digitalen Transformationsprozess. Gerade weil die Entwicklungen sehr dezentral verlaufen, ist der Erfahrungsaustausch zwischen den Kommunen aktuell besonders wichtig.
Der 3D-Projektplaner ermöglicht als Open-Source-Tool beispielsweise Planungsfolgenabschätzungen zu Schattenwürfen oder Sichtachsen in Form einer Simulation klar in Richtung digitaler Zwilling. Ein weiteres relevantes Beispiel ist die Software KomMonitor, die Stadtplanung und Stadtentwicklung mit Sozialdaten, Statistiken und Bevölkerungsdaten verknüpft. Damit erreichen wir auch Ämter, die bei GIS-bezogenen Projekten kaum eingebunden sind, etwa Sozial- oder Gesundheitsämter. Zusätzlich gibt es die Arbeitsgruppe Twins4NRW, die sich mit den Klimathemen in Kommunen, wie Hitze, Hochwasser und Wasserkreislauf beschäftigt.
Welche Erfolgsfaktoren würden Sie für den Aufbau digitaler Zwillinge benennen?
Im Kern geht es um die Vernetzung von Daten und deren Darstellung in einem homogenen Umfeld. Über den digitalen Zwilling sind wir in der Lage, Daten zu vernetzen, semantisch anzureichern und interdisziplinär zu nutzen. In den vergangenen Jahren wurde schon durch Programme wie „Connected Urban Twins“ viel Vorarbeit geleistet. Dort haben sich Standards herausgebildet, auf denen man aufbauen kann. Aus meiner Erfahrung heraus ist es außerdem wichtig, in einen echten Dialog auf Augenhöhe zu gehen. Ein digitaler Zwilling entsteht gemeinsam: Inhalte, Werkzeuge, Verfahren und Arbeitsprozesse müssen kommunalintern gemeinsam entwickelt werden. Nur dann ist das Ganze nachhaltig, wird genutzt und entfaltet Dynamik aus den Fachbereichen heraus.
Was war für Sie in Wuppertal die größte Erkenntnis in Bezug auf digitale Zwillinge?
Als eigentliche Game Changer haben sich bei uns in Wuppertal anfassbare Beispiele erwiesen. Erzählen und erklären reicht nicht aus. Anwendungsfälle aus dem Kontext der Zielgruppen dienen als Mittler für das Paradigma Urbaner Digitaler Zwilling. Die Virtual Reality-Anwendung für die geplante Hängebrücke im Rahmen der Bundesgartenschau 2031 in Wuppertal, z.B., hat die Diskussion in der Bürgerbeteiligung komplett verändert. Die Darstellung bot den Beteiligten das gleiche Erfahrungsfeld und ein gemeinsames Verständnis zur Realisierung der Hängebrücke. Dadurch wurde die Diskussion sachlicher, und seitdem bekommen wir sehr viele neue Aufträge zur Visualisierung von Planungsvorhaben im Digitalen Zwilling.
Sobald Menschen verstehen, worum es geht, entstehen Ideen und nutzenbringende Gespräche. Deshalb ist es auch für die Vermittlung des digitalen Zwillings wichtig zu wissen, mit wem man spricht, welche Begriffe dort gängig sind und wie man Inhalte entsprechend vermittelt.

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