Mittwoch, 21. Januar 2026

Digitale Zwillinge – Franz-Reinhard Habbel im Interview

Franz-Reinhard Habbel

Publizist & Sprecher des Deutschen Städte und Gemeindebundes a. D.

„Die unterschätzte Kraft vor Ort
Kommunen in bewegten Zeiten“

Digitale Zwillinge als Brücke zwischen
Verwaltung, Politik und
Zukunftsplanung

Welche strategische Bedeutung haben digitale Zwillinge für Kommunen und warum geht es dabei um mehr als Technologie?

Digitale Zwillinge sind ein zentrales Instrument für die Weiterentwicklung kommunaler Handlungsfähigkeit. Sie schaffen erstmals eine gemeinsame Informations- und Entscheidungsgrundlage für Verwaltung, Politik, Zivilgesellschaft und Zukunftsplanung. Damit werden sie zur verbindenden Ebene zwischen fachlicher Arbeit, politischer Steuerung und gesellschaftlichen Zielen. Entscheidend ist, digitale Zwillinge nicht als technisches Projekt zu verstehen, sondern als organisatorisches und politisches Thema, das Kommunen stärkt und neue Dienstleistungen ermöglicht.

Wie verändern digitale Zwillinge die Arbeitsweise von Verwaltung und Kommunalpolitik konkret?

Digitale Zwillinge ermöglichen einen grundlegenden Perspektivwechsel. Verwaltung arbeitet heute überwiegend rückblickend auf Basis vergangener Daten. Digitale Zwillinge erlauben eine vorausschauende Arbeitsweise durch Simulationen, Szenarien und Prognosen. Für die Kommunalpolitik bedeutet das eine neue Qualität der Entscheidungsfindung. Gremienarbeit kann stärker visuell, räumlich und nachvollziehbar erfolgen. Planungen und Auswirkungen werden sichtbar gemacht, statt ausschließlich textlich beschrieben. Damit entsteht eine proaktive Verwaltung, die Politik frühzeitig unterstützt und steuerungsfähig macht.

Welche Voraussetzungen und Herausforderungen sind für eine erfolgreiche Umsetzung entscheidend?

Zentrale Voraussetzungen sind neue organisatorische Rollen wie Datenarchitekten, interoperable kommunale Cloud Strukturen sowie der konsequente Einsatz von Echtzeitdaten. Digitale Zwillinge ersetzen langfristig fachliche Insellösungen durch ein gemeinsames Lagebild. Die größten Hürden sind dabei nicht technischer Natur, sondern kulturell und organisatorisch. Es braucht mehr Vernetzung, neue Arbeitsweisen und die Bereitschaft, iterativ vorzugehen. Digitale Zwillinge werden langfristig die gesamte Verwaltung modernisieren und eine neue Form der Politikgestaltung ermöglichen.