Leitfaden Digitale Zwillinge – Max Schwerhoff im Autoreninterview

Digitale Zwillinge werden oft als technisches Werkzeug für Städte wahrgenommen. Doch ihre wahre Stärke entfalten sie als gemeinsamer Arbeitsraum für unterschiedliche Fachbereiche und Anwendungsfälle. Unser Gesprächspartner Max Schwerhoff ist als Smart City Projektkoordinator bei der Stadt Troisdorf tätig und treibt im Austausch mit zahlreichen Fachkollegen die Einführung digitaler Zwillinge in der kommunalen Verwaltung voran.

Als Mitautor des Leitfadens verdeutlicht er, wie digitale Zwillinge als gemeinsame Datenbasis verschiedene Fachanwendungen verbinden können und welche Erfolgsfaktoren für die praktische Umsetzung entscheidend sind.

Wie erklären Sie den digitalen Zwilling kurz und bündig, um für ihn zu werben?

Wenn ein digitaler Zwilling in einer Kommune gut genutzt und gepflegt wird, ist er im Grunde ein gemeinsamer großer Arbeitsraum. In diesem Arbeitsraum kann mit denselben Daten gearbeitet werden, um Auswirkungen sichtbar zu machen und Entscheidungen besser zu bewerten.

An welchem Beispiel wird das deutlich?

Ein gutes Beispiel ist der Einsatz digitaler Zwillinge in der Verkehrssteuerung und Simulation, etwa bei großen Baustellen, um Ausweichverkehre zu simulieren und Belastungen frühzeitig zu erkennen. So etwas entsteht nicht am Reißbrett. Man hat einen Basiszwilling und baut darauf je nach Fachbedarf auf.

Welcher Erfolgsfaktor ist aus Ihrer Sicht für die Einführung digitaler Zwillinge entscheidend?

Die Ansprache ist entscheidend. Wenn Kollegen früh und regelmäßig eingebunden werden, können sie rechtzeitig überlegen, welche Daten sie anschließen können, statt eigene Insellösungen zu entwickeln. Der digitale Zwilling soll eine dauerhafte kommunale Infrastruktur sein, kein Einzelprojekt eines Fachamts.

Je früher andere Fachämter einbezogen werden, desto besser ist die Anschlussfähigkeit der Daten. Gleichzeitig muss man offen ansprechen: Digitale Zwillinge sind stark personenbezogen. Wenn Menschen in Schlüsselpositionen kein Interesse haben, kommt man kaum weiter. Dann braucht es entweder Rückendeckung von oben oder sehr viel Geduld. Das ist eine Realität in vielen Kommunen und sollte offen thematisiert werden.


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