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Ralf Leufkes im Interview: Warum die CIVI/CON 2026 Kommunen, Länder und Bund an einen Tisch bringt

Ralf Leufkes ist Geschäftsleiter des Vereins Civitas Connect e. V., einer bundesweit einzigartigen Kooperationsplattform für kommunale Unternehmen und Kommunen. Der 2020 gegründete Verein bringt Kommunen, kommunale Unternehmen, Länder, Verbände und weitere Akteure des öffentlichen Sektors zusammen. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur der Austausch und die Vernetzung, sondern vor allem die gemeinsame Entwicklung offener, nachnutzbarer Lösungen, wie etwa CIVITAS/CORE, einer Open-Source-Plattform für den Aufbau urbaner Datenplattformen und weiterer digitaler Basisinfrastrukturen.

In diesem Interview zieht er Bilanz, was seit dem letzten Kongress passiert ist, führt durch die Themenschwerpunkte des diesjährigen Programms und erklärt, warum die CIVI/CON 2026 der Ort ist, an dem sich Kommunen, Länder und Bund über die kommunale Digitalisierung austauschen und in konkrete Schritte übersetzen.

Der Jahreskongress von Civitas Connect findet am 2. September 2026 in Wuppertal statt. Hier geht es zur Anmeldung.

1. Die CIVI/CON findet 2026 zum vierten Mal statt. Was hat sich zwischen der Ausgabe 2025 und heute im Umfeld von Civitas Connect und CIVITAS/CORE getan, inhaltlich, strukturell und politisch?

Ralf Leufkes: Das vergangene Jahr war für uns geprägt von einer deutlichen Verbreiterung, sowohl inhaltlich als auch strukturell. Civitas Connect ist heute noch stärker zu einer bundesweiten Kooperationsplattform geworden, auf der Kommunen, kommunale Unternehmen, Länder, Verbände und weitere Akteure des öffentlichen Sektors gemeinsam an der digitalen Daseinsvorsorge arbeiten.

Auch der CIVITAS/CORE hat sich als Open-Source-Plattform weiter etabliert und ist heute in Verwaltungen und kommunalen Unternehmen produktiv im Einsatz. Gleichzeitig ist die Community rund um die Plattform gewachsen, und mit ihr auch die Arbeitsstrukturen: Wir haben neue Arbeitskreise etabliert, in denen wir gemeinsam mit unseren Mitgliedern konkrete Use Cases wie die Netzdigitalisierung entlang §14a EnWG und ein modernes Baustellenmanagement voranbringen.

Strukturell haben wir unser Team gezielt verstärkt. Mit Mario Dietze konnten wir einen erfahrenen Softwarearchitekten für CIVITAS/CORE gewinnen. Das hilft uns, die Weiterentwicklung des Kerns und die Entwicklung von Konnektoren zu bestehenden Fachsystemen konsequenter zu treiben.

Politisch beobachten wir, dass digitale Souveränität und der Deutschland-Stack in der Debatte deutlich an Konkretheit gewinnen. Wir sind heute in einem produktiven Austausch mit dem BMDS, mit der FITKO und mit dem BSI, wir sprechen inzwischen mit Institutionen wie dem BKA über gemeinsame Formate. Das war vor zwei Jahren so nicht denkbar und ist Ausdruck einer Verschiebung: Die kommunale Ebene wird als Ort verstanden, an dem sich digitale Souveränität beweist.

2. Der Nachmittag der CIVI/CON 2026 steht klar unter dem Zeichen Cybersicherheit, mit Beteiligung von BKA, CII und Firmen wie Dunkelblau. Wie passt dieser Schwerpunkt zum Selbstverständnis von Civitas Connect?

Ralf Leufkes: Digitale Souveränität und Cybersicherheit gehören untrennbar zusammen. Wer digitale Infrastrukturen selbstbestimmt betreiben möchte, muss sie auch schützen können. Deshalb bringen wir das Thema Cybersicherheit 2026 ganz bewusst in den Mittelpunkt des Nachmittags.

Unser Anspruch ist, Cybersicherheit als praktikable Aufgabe zu verhandeln, nicht als abstraktes Bedrohungsszenario. Deshalb versammeln wir am Nachmittag mehrere Perspektiven: eine Keynote von Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker, ein Bühnengespräch mit Carsten Meywirth vom BKA, sowie ein Konzept für akutes Krisenmanagement, das die Firma Dunkelblau gemeinsam mit einem Cyber Security-Experten vorstellt.

Unser Ziel ist, dass die Teilnehmenden mit einem besseren Verständnis, neuen Ansprechpartnern und vor allem mit konkreten Ideen für die eigene Organisation nach Hause gehen. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedrohungslage, gerade bei kritischer Infrastruktur und deren zunehmender Digitalisierung, wird das immer wichtiger.

3. Sie haben in den vergangenen Jahren die CIVI/CON immer als Spiegel Ihrer täglichen Vereinsarbeit beschrieben. Was heißt das 2026 konkret und für wen ist die Veranstaltung besonders relevant?

Ralf Leufkes: Die CIVI/CON ist nach wie vor kein alleinstehendes Konzept, sondern verdichtet unser ganzes Vereinsjahr in einem Tag. 2026 heißt das erstmals, dass wir mehrere Ebenen in einem Raum haben, die sich sonst selten so direkt begegnen: die operativ verantwortlichen Kolleginnen und Kollegen aus den Kommunen und kommunalen Unternehmen, Vertreterinnen und Vertreter von Landes- und Bundesebene, die Community rund um CIVITAS/CORE, kommunale IT-Dienstleister sowie Bundesbehörden wie das BKA.

Für Kommunen und Stadtwerke ist die CIVI/CON deshalb 2026 in doppelter Hinsicht relevant. Sie ist der Ort, an dem sich Fachwissen und konkrete Umsetzungsschritte begegnen, unter anderem in unserem CIVITAS/CORE-Workshop und in dem LEGO® Serious Play®-Workshop von Dr. Christine Pohl aus Wuppertal zum Zusammenspiel von Urbanen Datenplattformen und Urbanen Digitalen Zwillingen. Sie ist außerdem der Ort, an dem sich diese fachliche Ebene mit der politischen Ebene verbindet, ohne den Umweg über Anhörungen oder Positionspapiere.

Für Landes- und Bundesvertreterinnen und -vertreter wiederum bietet die CIVI/CON die seltene Gelegenheit, ein sehr direktes Bild davon zu bekommen, wo die Umsetzung der kommunalen Digitalisierung gerade steht und wo sie klemmt. In dieser Reibung entstehen die Anschlussprojekte, die uns als Community weiterbringen.

4. Ein zentraler politischer Vorstoß ist der offene Brief für die Aufnahme von CIVITAS/CORE in den Deutschland-Stack. Was fordern Sie damit, und wie geht es weiter?

Ralf Leufkes: Der Brief formuliert zwei Kernforderungen. Erstens die Aufnahme von CIVITAS/CORE als Bestandteil des Deutschland-Stacks, damit die kommunale Perspektive in dieser politischen Klammer verankert ist. Zweitens die verlässliche Förderung digitaler Basisinfrastrukturen durch Bund und Länder in einer Systematik, die nicht bei jedem Regierungswechsel neu erfunden wird.

Der Brief wird gerade von CORE-nutzenden Verwaltungen und Unternehmen, aber auch Unterstützenden unseres Ansatzes mitgezeichnet. Wir arbeiten dabei mit Multiplikatoren und Spitzenverbänden auf Bundesebene und in den Ländern zusammen. Ziel ist, mit einer starken Stimme zu sprechen und die kommunale Ebene in den weiteren politischen Prozess einzubringen. Wer das unterstützen möchte, ist herzlich eingeladen (Zur Gemeinsamen Erklärung).

5. Wie geht es nach der CIVI/CON 2026 weiter, welche Signale erwarten Sie sich politisch, und was ist Ihr persönlicher Wunsch für die Veranstaltung?

Ralf Leufkes: Politisch erwarte ich, dass die Aufnahme kommunaler Basisinfrastrukturen in den Deutschland-Stack, der Deutschlandarchitektur und weiterer Bundes- und Landesinitiativen nach der CIVI/CON kein abstraktes Thema mehr bleibt, sondern in konkreten Formaten weiter verhandelt wird. Der offene Brief ist dafür ein Ausgangspunkt, kein Endpunkt. Genauso wichtig ist mir, dass wir das Momentum bei Cybersicherheit nutzen. Die Kombination aus BKA, CII und Praxispartnern bietet die Chance, den Teilnehmenden einen strukturierten Einstieg zu ermöglichen. Diese Fäden werden wir nach dem Kongress in unserer laufenden Vereinsarbeit aufnehmen.

Persönlich wünsche ich mir echten Austausch auf Augenhöhe, konkrete Projektanbahnungen, neue Mitwirkende in unseren Arbeitskreisen sowie das Gefühl, dass wir gemeinsam einen weiteren Schritt in Richtung einer souveränen, kooperativen und praxistauglichen kommunalen Digitalisierung gehen. Wenn Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Wuppertal reisen und mit dem Gefühl zurückfahren, an einem Ort gewesen zu sein, an dem Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik gemeinsam an den entscheidenden Zukunftsfragen digitaler Daseinsvorsorge und Souveränität gearbeitet haben, dann war die CIVI/CON 2026 ein Erfolg.