ASTOC ARCHITECTS AND PLANNERS ist ein seit 1990 in Köln beheimatetes Büro für Architektur und Städtebau mit rund 120 Mitarbeitenden an den Standorten Köln, Karlsruhe und Basel. Das Büro verbindet Berufspraxis mit Forschung und Lehre und ist tief im Rheinland verwurzelt. Mit Projekten wie dem Quartier Grüner Weg in Köln-Ehrenfeld, der Koelnmesse Unternehmenszentrale und zahlreichen weiteren Quartiersentwicklungen gestaltet ASTOC die Stadt und Region aktiv mit.
Im von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt Forschungsprojekt Urban ID beschäftigt sich ASTOC zusammen mit der Hochschule Bochum, LIST Eco und Urbanistic mit einer zentralen Frage der klimagerechten Stadtentwicklung: Wie lassen sich lebenszyklusbasierte Emissionen auf Quartiersebene systematisch erfassen und frühzeitig in Planungsprozesse integrieren? Dabei geht es um die Verbindung von Bestands- und Neubauentwicklung, Umgang mit Grauen Emissionen und betriebsbedingten Emissionen.
Im Rahmen der Workation im Rheinland stellt ASTOC gemeinsam mit urbanistic am 4. Mai in Köln erste Ergebnisse des Projekts vor. Wir haben vorab mit Lena Rehnig, Projektleiterin Urban ID bei ASTOC, gesprochen.
💡UrbanID – Einordnung Lebenszyklusbasierter Emissionen in Quartieren
📍 Köln
🕐 4. Mai ab 13:30 Uhr
👥 Kommunale Akteur:innen (und Interessierte)
ℹ️ Urbanistic, ASTOC ARCHITECTS AND PLANNERS
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Was steckt hinter dem Forschungsprojekt Urban ID und welche Frage wollen Sie damit beantworten?
Zur Wahrung der gesetzten Klimaschutzziele im Gebäudesektor sind optimierte Neubaumaßnahmen allein nicht hinreichend. Das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderte Forschungsprojekt „Urban ID“ zielt darauf ab eine methodische Grundlage für die lebenszyklusbasierte Emissionsbewertung von Bestandsgebäuden auf Quartiersebene zu schaffen. Dies ermöglicht die bestehende Bebauung in neue Planungskonzepte auf stadträumlicher, Quartiers- und Gebäudeebene einzubeziehen, Synergiepotentiale zu nutzen und Datenlücken zu schließen. Maßgebendes Ziel ist es, Planer*innen und Kommunen ein Werkzeug an die Hand zu geben, das bei der Entwicklung nachhaltiger Konzepte zur Transformation des Gebäudebestandes die Umsetzung nachhaltiger Lösungen effizient und präzise unterstützt.
Graue Emissionen entstehen noch vor dem ersten Spatenstich. Warum werden sie in der kommunalen Klimaplanung und bei Wohnungsunternehmen bislang so selten berücksichtigt?
Der gesetzliche Fokus liegt bisher auf der Betriebsenergie und blendet den hohen Anteil an CO2e-Emissionen während der Bauphase aus. Zudem fehlt es in der kommunalen Praxis an standardisierten Daten und intuitiven Werkzeugen, um die stoffliche Komplexität des Bestands gegenüber einfachen Verbrauchsrechnungen belastbar abzubilden. Diese methodische Lücke führt dazu, dass der Erhalt von Bausubstanz oft fälschlicherweise als weniger effizient gegenüber einem vermeintlich klimaneutralen Neubau bewertet wird. Dieses Potential durch 3D-Stadtmodelle sichtbarzumachen ist Voraussetzung für eine greifbare ganzheitliche Lebenszyklusbetrachtung.
Wie lassen sich Bestands- und Neubauentwicklungen gemeinsam in einer Lebenszyklusbetrachtung erfassen und was ist dabei die größte methodische Herausforderung?
Bisher eingesetzte Werkzeuge erlauben zwar eine grobe Abschätzung von Energie- und Stoffströmen für den Gebäudebestand, jedoch ist die ermittelte Datenlage häufig nicht ausreichend, um darauf Planungsentscheidungen treffen zu können, die keine Problemverschiebung verursachen, da Wechselwirkungen zu anderen wichtigen Handlungsfeldern außer Acht gelassen werden. Eine Verknüpfung differenzierter Methoden, die insbesondere Datenlücken und auftretende Wechselwirkungen zwischen Einzelgebäuden und dem städtischen Kontext sowie Handlungsfeldern (Klimaschutz, Klimawandelanpassung, Materialökologie, Energieeffizienz, etc.) untersucht und die in einer Anwendung zusammengeführt werden, ist Grundlage dieser Forschungsarbeit.
Welche Rolle spielen 3D-Stadtmodelle und digitale Werkzeuge bei der Analyse und Visualisierung von Emissionen auf Quartiersebene?
3D-Stadtmodelle bilden die geometrische Grundlage um abstrakte Emissionsdaten räumlich zu verorten und komplexe Wechselwirkungen auf Quartiersebene sichtbar machen zu können. Digitale Werkzeuge automatisieren die Verknüpfung von Materialdatenbanken mit der Gebäudesubstanz, wodurch präzise Lebenszyklusanalysen erst in großem Maßstab skalierbar werden. Diese Kombination ermöglicht es zielgerichtete effektive Planungsentscheidungen treffen zu können.
Was erhoffen Sie sich langfristig von solchen Forschungsprojekten für die Praxis kommunaler und unternehmerischer Klimaschutzstrategien?
Bisher lag der Fokus beim Klimaschutz im Gebäudesektor auf dem Neubau und dessen optimierten effizienten Betrieb. Der Bestand ist kein Hindernis, sondern eine wertvolle Ressource, die wir als Materialbank begreifen und dessen ökologischen Wert sichern müssen. Das Forschungsprojekts „Urban ID“ bietet die Möglichkeit diesen Paradigmenwechsel von einer moralischen Forderung in eine messbare Planungsgröße zu überführen.


