Frequenz, Verkehr, Leerstand: Wie Kommunen im Rheinland Sensordaten strategisch nutzen – Interview mit Henry Florin

LASE PeCo Systemtechnik ist ein in Wesel ansässiger Anbieter von Laserscanner-Technologie zur Erfassung von Passantenfrequenzen, Verkehrsströmen, Auslastungen im öffentlichen Raum sowie für verschiedene Security-Applikationen. Die Systeme kommen in Innenstädten, Fußgängerzonen und Verkehrsbereichen zum Einsatz und liefern datenschutzkonforme Echtzeit-Daten als Grundlage für kommunale Entscheidungsprozesse.

Von Stolberg bis Düsseldorf ist LASE PeCo mit mehreren Projekten im Rheinland aktiv. Dabei arbeitet das Unternehmen mit Kommunen, Stadtmarketingorganisationen, Wirtschaftsförderungen und Immobilieneigentümern zusammen. Die erhobenen Daten fließen unter anderem in Anwendungsfelder wie Verkehrsmanagement, Leerstandsmanagement und die Bewertung von Einzelhandelslagen ein.

Wir haben mit Henry Florin, Geschäftsführer von LASE PeCo Systemtechnik, gesprochen, um mehr darüber zu erfahren.

LASE PeCo misst Passantenfrequenzen und Verkehrsströme mit Laserscannern. Was können Kommunen mit diesen Daten konkret anfangen, was vorher nicht möglich war?

Kommunen können Entscheidungen auf einer belastbaren, objektiven Datenbasis treffen, statt nur auf Einzelbeobachtungen, Stichproben oder Bauchgefühl zu bauen. Sie sehen in Echtzeit und im Zeitverlauf, wie sich Menschen und Verkehr tatsächlich durch den Stadtraum bewegen, wo Engpässe entstehen und welche Bereiche gut oder schlecht funktionieren. Das hilft bei Fragen der Verkehrslenkung, Aufenthaltsqualität, Veranstaltungsplanung oder der Bewertung von Innenstadtmaßnahmen. Kurz gesagt: Aus Bauchgefühl wird eine strategisch steuerbare Grundlage für Stadtentwicklung.

In Stolberg haben Sie ein Projekt zu Verkehrsmanagement und Verkehrssicherheit umgesetzt. Was waren die wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Praxisbeispiel?

Das Projekt in Stolberg hat gezeigt, dass belastbare und die Erhebung von durchgängigen Daten der entscheidende erste Schritt für bessere Verkehrsplanung sind. Unsere LiDAR-Technologie liefert hier einen besonderen Mehrwert, weil sie Bewegungsströme präzise, datenschutzkonform und unabhängig von Witterung oder wechselnden Lichtverhältnissen erfassen kann. Diese validen Daten wurden anschließend von einem Verkehrsingenieurbüro weiter vertieft, um zusätzliche Erkenntnisse für die verkehrsfachliche Bewertung zu gewinnen. Für die Kommune war das eine deutlich bessere Grundlage, um Maßnahmen zur Verkehrsführung und Verkehrssicherheit fundiert abzuleiten.

In Düsseldorf und Köln messen Sie an zehn Punkten Passantenfrequenzen. Wie verändert sich das Bild einer Innenstadt, wenn man sie erstmals flächendeckend mit Daten betrachtet?

Dann sieht man sehr schnell, dass eine Innenstadt nicht überall gleich funktioniert. Es wird sichtbar, welche Bereiche stark frequentiert sind, wo Besucherströme abreißen und wie sich Frequenzen je nach Wochentag, Saison, Veranstaltung oder Baustellensituation verändern. Gerade diese Unterschiede gehen in klassischen Einzel-/Kurzmessungen oft verloren. Für Städte, Eigentümer und Wirtschaftsförderung entsteht so ein deutlich realistischeres Bild davon, wie eine Innenstadt tatsächlich genutzt wird.

Bei Immobilienprojekten arbeiten Sie oft im Dreigespräch mit Stadtverwaltung und Immobilieneigentümern zusammen. Warum ist die Einbindung der Eigentümer so entscheidend und welchen Mehrwert ziehen sie daraus?

Eigentümer sind ein wichtiger Bestandteil der Innenstadtentwicklung, weil viele Maßnahmen am Ende direkt ihr Umfeld betreffen. Wenn sie früh eingebunden sind, entsteht schneller ein gemeinsames Verständnis dafür, wo ein Standort gut funktioniert und wo es Handlungsbedarf gibt. Der Mehrwert liegt für sie vor allem darin, Entscheidungen nicht nur nach Eindruck, sondern auf Basis realer Nutzungs- und Frequenzdaten treffen zu können. Das ist zum Beispiel bei Vermarktung, Nutzungskonzepten oder Investitionen in den Standort ein großer Vorteil.

Datenschutz ist im öffentlichen Raum ein sensibles Thema. Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Systeme DSGVO-konform arbeiten und wie erklären Sie das im Stadtrat?

Der entscheidende Punkt ist: Mit unserer LiDAR-Technologie entstehen gar keine personenbezogenen Daten, die später erst aufwendig anonymisiert werden müssten. Erfasst werden ausschließlich anonyme Bewegungs- und Frequenzdaten, ohne Rückschluss auf einzelne Personen. Das macht den Datenschutz technisch von Anfang an zu einem festen Bestandteil des Systems und nicht zu einem nachgelagerten Schritt. Im Stadtrat lässt sich das in der Regel gut vermitteln, weil der praktische Nutzen der Daten erhalten bleibt, ohne die Privatsphäre im öffentlichen Raum zu beeinträchtigen.

Was würden Sie einer Kommune raten, die noch ganz am Anfang steht und überlegt, ob und wie sie Sensordaten in ihre Stadtentwicklung integrieren soll?

Aus meiner Sicht ist es am wichtigsten, von Anfang an alle relevanten Partner mitzunehmen – also Verwaltung, Stadtmarketing, Wirtschaftsförderung und je nach Projekt auch Eigentümer oder Fachplaner (und mir ist bewusst – leichter gesagt als getan). Ein Pilotprojekt im realen Einsatz ist oft viel aufschlussreicher als ein Vergleich auf dem Papier, weil man erst dann wirklich sieht, welche Technologie für den konkreten Anwendungsfall passt. Wir haben selbst schon erlebt, dass eine Abteilung in einer Stadt unsere Systeme bereits genutzt hat und später trotzdem eine Ausschreibung erstellt wurde, ohne dass diese Erfahrung intern bekannt war. Solche Situationen zeigen, wie wichtig es ist, Wissen früh zusammenzuführen und die relevanten Stellen von Beginn an einzubinden.

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Veranstaltungen im Rahmen der Workation im Rheinland

Arbeiten, Netzwerken und Wissensaustausch rund um digitale Städte & Regionen. Anfang Mai finden im Zeitraum vom 4. bis 8. Mai zahlreiche Veranstaltungen rund um urbane Daten, digitale Zwillinge und künstliche Intelligenz statt. Einen Überblick über alle Termine finden Sie im folgenden Wochenplan. 👇

Montag, 4. MaiDienstag, 5. MaiMittwoch, 6. MaiDonnerstag, 7. MaiFreitag, 8. Mai
💡 Start der Rheinland-Workation
📍 Online
🕐 09:00 bis 10:00
👥 Offen
ℹ️ Urban Digital
👉 Anmeldung
💡 Vorbereitet für die Zukunft - Digitale Zwillinge für ein souveränes Krisenmanagement
📍 Bonn
🕐 10:00 bis 12:00 (+ Networking Lunch)
👥 Vertreter:innen aus Kommunen, Kreisen und der Landespolitik (v.a. EntscheiderInnen)
ℹ️ Esri Deutschland
👉 Anmeldung
💡 XPlanung – digitale Bauleitplanung für die Zukunft neuer, innovativer Prozesse: Integration in den Digitalen Zwilling „Stadtplanung“
📍 online
🕐 13:00 bis 14:00 Uhr
👥 Vertreter:innen aus Kommunen, Kreisen und der Landespolitik
ℹ️ IP SYSCON
👉 Anmeldung
💡 EK Suite – der Digitale Zwilling zur kommunalen Energie- und Klimaplanung und Energie- und Klimaatlas NRW: Nutzung für die Stadtplanung
📍 online
🕐 11:00 bis 12:00 Uhr
👥 Vertreter:innen aus Kommunen, Kreisen und der Landespolitik, Energieversorger, Planung- und Ingenieurbüros
ℹ️ IP SYSCON
👉 Anmeldung
💡 Planung beschleunigen im Digitalen Zwilling – Von der Idee zum Städtebaulichen Konzept
📍 online
🕐 11:00 bis 11:45 Uhr
👥 Offen
ℹ️ urbanistic, BauData Gruppe
👉 Anmeldung
💡 Smart City Roundtable
📍 Düsseldorf
🕐 10:00 bis 14:00
👥 Kommunale
ℹ️ Haselhorst Associates
👉 Anmeldung
💡 Content-Tour in Troisdorf
📍 Troisdorf
🕐 14:00 bis 18:00 Uhr
👥 Offen
ℹ️ Urban Digital, Stadt Troisdorf
👉 Anmeldung
💡 Digital Briefing für kommunale Entscheider
📍 Köln, Hybrid
🕐 13:00 bis 17:00 Uhr
👥 Programm-Teilnehmer
ℹ️ TÜV Rheinland Consulting, Urban Digital
👉 Anmeldung
💡 Mobilität & Parken im Wandel: Digitale Lösungen und Innovationen aus der Praxis
📍 Aachen
🕐 11:00 bis 14:00 Uhr
👥 Offen
ℹ️ Stadt Aachen, SWD Dormagen
👉 Anmeldung
💡 UrbanID- Einordnung Lebenszyklusbasierter Emissionen in Quartieren
📍 Köln
🕐 13:30 Uhr
👥 Kommunale
ℹ️ urbanistic, ASTOC ARCHITECTS AND PLANNERS
👉 Anmeldung
💡 Smart City MeetUp Köln
📍 Köln
🕐 ab 18:00 Uhr
👥 Offen
ℹ️ Dr. Martin Gimnich
👉 Anmeldung

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