Bürgerbeteiligung kostet Zeit: Projekte beschreiben, Vorschläge strukturieren, hunderte Eingaben auswerten. demokratie.today und die Kreisstadt Siegburg zeigen am 4. Mai live, wie Künstliche Intelligenz diese Arbeit übernimmt. Tobias Weinmann hat die KI-Bots in der Beteiligungsplattform Consul entwickelt, Rebecca Palm setzt sie im kommunalen Alltag ein.
Am 4. Mai zeigt Tobias Weinmann gemeinsam mit der Stadt Siegburg live drei Anwendungen: Ein KI-Bot generiert aus wenigen Sätzen ein fertiges Beteiligungsprojekt. Ein Voice-Assistent nimmt Bürgervorschläge per Sprache entgegen, strukturiert sie und prüft, ob sie die definierten Kriterien erfüllen. Und nach Abschluss einer Beteiligungsphase analysiert die KI hunderte Eingaben und liefert dem Gemeinderat einen strukturierten Bericht. Wir haben vorab mit ihm gesprochen.
💡Workshop KI-Bots in Consul
📍 Online
🕐 4. Mai um 16:00 bis 17:00 Uhr
👥 Kommunale
ℹ️ demokratie.today, Stadt Siegburg
👉 Jetzt kostenfrei anmelden!
1. Was hat Sie dazu bewogen, KI-Bots direkt in die Plattform zu integrieren statt separate KI-Lösungen zu nutzen?
Tobias Weinmann: Separate KI-Tools erfordern immer einen Medienbruch – Daten müssen exportiert, aufbereitet und wieder importiert werden, und dabei geht Kontext verloren. Dazu kommt ein technischer Unterschied, der sich direkt auf die Qualität auswirkt: Projektseiten in Consul werden mit Inhaltsblöcken aufgebaut, die in HTML geschrieben sind. Ein externer Bot erzeugt dabei generisches HTML – ein integrierter, auf Consul abgestimmter Bot kennt die UX-Frameworks und technischen Vorgaben der Plattform und erzeugt Markup, das wirklich funktioniert. Und für Kommunen ist Datenschutz ein Kernthema – der integrierte Ansatz vermeidet, dass Bürgereingaben externe KI-Schnittstellen durchlaufen.
2. Der erste Bot generiert aus einer kurzen Beschreibung ein fertiges Beteiligungsprojekt. Wie viel menschliche Kontrolle bleibt dabei und wo zieht die KI klare Grenzen?
Tobias Weinmann: Die KI liefert einen vollständigen Entwurf – Projektbeschreibung, Phasen, Kriterien – aber der Projektmanager prüft alles vor der Veröffentlichung und kann jeden Punkt anpassen. Dabei kann die KI auch mit lokalem Kontext gefüttert werden: Vorgeschichte, politische Rahmenbedingungen, spezifische Anforderungen. Was sie nicht ersetzen kann, ist das demokratische Mandat: Die Entscheidung, was beteiligt wird, welche Fragen gestellt werden und wie Ergebnisse politisch gewichtet werden, braucht eine Person mit Verantwortung und Legitimität. Das ist der Kern, der menschlich bleiben muss – nicht aus technischen, sondern aus demokratischen Gründen.
3. Der Voice-Assistent nimmt Bürgervorschläge per Sprache entgegen. Welche Bürgergruppen profitieren davon besonders und welche Erfahrungen hat Siegburg damit gemacht?
Tobias Weinmann: Der Grundgedanke war, eine reale Hürde zu beseitigen: Tippen auf dem Smartphone kostet mehr Überwindung als Sprechen, besonders für ältere Menschen oder Personen, für die das Formulieren am Bildschirm eine zusätzliche Barriere ist. Was uns in der Zusammenarbeit mit Siegburg überrascht hat: Die Sprachfunktion wird nicht nur von älteren Bürgerinnen und Bürgern genutzt, sondern auch von Menschen, die einfach unterwegs sind und spontan einen Vorschlag einreichen möchten. Der Assistent strukturiert die gesprochene Eingabe automatisch und gibt sofort Rückmeldung, ob der Vorschlag die Kriterien erfüllt – das entlastet die Verwaltung und macht den Prozess für Beteiligte transparenter. Zugänglichkeit ist kein Nice-to-have in der kommunalen Demokratie, sondern eine Grundvoraussetzung.
4. Die KI prüft automatisch, ob eingereichte Vorschläge die Kriterien einer Beteiligungsphase erfüllen. Wie reagieren Bürger:innen, wenn ihr Vorschlag abgelehnt wird?
Tobias Weinmann: Hier ist ein wichtiges Missverständnis zu klären: Die KI überprüft keinen fertigen Vorschlag nachträglich und gibt dann eine Ablehnung aus – das wäre tatsächlich frustrierend. Stattdessen entsteht der Vorschlag im Dialog mit dem KI-Bot, der von Anfang an auf die vorgegebenen Kriterien achtet. Sollte ein Teilaspekt nicht passen, weist die KI den Bürger direkt darauf hin, macht konkrete Verbesserungsvorschläge und gibt die Möglichkeit, den Vorschlag anzupassen – noch bevor er eingereicht wird. Das Ergebnis ist eine Win-Win-Situation: Der Bürger reicht einen Vorschlag ein, auf den er stolz sein kann, und die Verwaltung erhält Eingaben, die die Kriterien bereits erfüllen – Frust auf beiden Seiten entfällt.
5. Die KI-Auswertung liefert dem Gemeinderat einen Bericht in Minuten statt Wochen. Was verändert das in der politischen Praxis?
Tobias Weinmann: Bisher war das Dilemma: Entweder wertet man hunderte Eingaben manuell aus – was Wochen dauert und oft nur stichprobenartig möglich ist – oder die Beteiligung bleibt symbolisch, weil niemand die Ergebnisse wirklich vollständig liest. Eine KI-gestützte Auswertung macht Bürgerbeteiligung erst wirklich vollständig: Jede Eingabe fließt strukturiert in den Bericht ein, kein Vorschlag geht verloren. Dazu kommt eine Funktion, die uns besonders wichtig ist: Gemeinderäte können individuelle Fragen an die KI stellen – etwa „Welche Bedenken gab es zum Thema Lärm?” – und diese Frage samt Antwort fließt direkt in den Bericht ein. So lassen sich ganz spezifische politische Fragestellungen gezielt klären, statt nur eine generische Zusammenfassung zu bekommen.
Abschluss-Statement
Tobias Weinmann: Bürgerbeteiligung war lange ein aufwendiger Prozess für alle Beteiligten: Verwaltungsmitarbeiter mussten eine Projektidee entwickeln, ausformulieren und manuell auf einer digitalen Beteiligungsplattform einstellen – mit Projektphasen, Beschreibungsseiten, Kriterien. Bürger tippten mühsam Vorschläge ein. Und am Ende saß die Verwaltung auf hunderten Eingaben, die manuell durchgearbeitet, aufbereitet und schließlich dem Gemeinderat übergeben werden mussten. Sieben Schritte, jeder davon zeitintensiv, jeder davon fehleranfällig.
KI setzt jetzt genau an den drei Stellen an, wo der meiste Aufwand entsteht: bei der Projektdefinition und -erstellung, bei der Formulierung von Bürgerideen – ob per Text oder Sprache, immer begleitet von einer live-Kriterienprüfung – und bei der Auswertung, die heute automatisch einen strukturierten Report erzeugt. Was früher Wochen dauerte, läuft heute in einem Bruchteil der Zeit.
Das verändert nicht nur den Arbeitsalltag in der Verwaltung. Es verändert, was Bürgerbeteiligung sein kann: niedrigschwellig für alle, vollständig in der Auswertung, und politisch ernst genommen – weil die Ergebnisse endlich so aufbereitet sind, dass sie im Gemeinderat wirklich ankommen.
💡Workshop KI-Bots in Consul
📍 Online
🕐 4. Mai um 16:00 bis 17:00 Uhr
👥 Kommunale
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