StartDigitale StadtWas §14a EnWG und mehrfach aufgerissene Straßen verbinden: Mario Dietze über CIVITAS/CORE...

Was §14a EnWG und mehrfach aufgerissene Straßen verbinden: Mario Dietze über CIVITAS/CORE als gemeinsame kommunale Datengrundlage

Was verbindet die Steuerung im Niederspannungsnetz mit der Frage, warum Straßen mehrfach aufgerissen werden? In beiden Fällen fehlt in der kommunalen Praxis nicht die Anwendung selbst, sondern die gemeinsame Datengrundlage, auf der alle genutzten Fachsysteme, egal ob offen oder proprietär, überhaupt zusammenarbeiten können.

Mario Dietze ist Softwarearchitekt für das Open-Source-Projekt CIVITAS/CORE und in den Arbeitskreisen Netzdigitalisierung und Baustellenmanagement operativ nah an den beiden Themen.

Im Gespräch erklärt er, warum §14a EnWG gerade jetzt als Katalysator wirkt, wie CIVITAS/CORE als Integrationslayer bestehende Fachsysteme anschlussfähig macht und was Kommunen und Versorger auf der CIVI/CON 2026 zu diesen Themen erwartet.

Der Jahreskongress von Civitas Connect findet in Wuppertal statt. Melden Sie sich jetzt an: https://www.civitasconnect.digital/civicon/

Herr Dietze, was hat Sie an CIVITAS/CORE gereizt, als Sie sich für die Rolle bei Civitas Connect entschieden haben?

Mich hat vor allem der Ansatz überzeugt, Software nicht für den öffentlichen Sektor zu entwickeln, sondern gemeinsam mit ihm. CIVITAS/CORE ist kein klassisches Herstellerprodukt, sondern eine offene Plattform mit einer Governance in öffentlicher Hand. Für einen Softwarearchitekten ist das spannend, weil technische Entscheidungen unmittelbar aus den Anforderungen der Praxis entstehen und die Community ihre Plattform selbst weiterentwickelt.

Der Arbeitskreis Netzdigitalisierung arbeitet gerade konkret an §14a EnWG und den Netzzustandsdaten (TAF-10-Daten). Was macht diesen Use Case gerade jetzt so drängend?

Mit § 14a EnWG müssen Netzbetreiber künftig deutlich präziser auf Netzsituationen reagieren können. Dafür werden unter anderem Netzzustandsdaten benötigt, die bislang häufig nicht in der erforderlichen Form verfügbar oder integriert sind. Das Problem betrifft nahezu alle Netzbetreiber gleichermaßen. Deshalb ist es sinnvoll, die notwendigen Datenmodelle und Integrationen gemeinschaftlich zu entwickeln, statt dieselbe Arbeit vielerorts parallel zu leisten.

Wie stellen Sie sicher, dass Daten aus so unterschiedlichen Fachsystemen tatsächlich zusammenwirken, ohne dass Kommunen ihre Datenhoheit verlieren?

Die größte Herausforderung liegt selten bei den Anwendungen selbst, sondern bei den Daten. Viele Systeme funktionieren für sich betrachtet gut, sprechen aber unterschiedliche „Sprachen“. CIVITAS/CORE setzt deshalb nicht an der Anwendung, sondern an einer offenen Integrations- und Datenschicht an. Bestehende Fachverfahren bleiben erhalten, werden aber interoperabel. Die Daten verbleiben dabei vollständig unter der Kontrolle der jeweiligen Organisation.

Wiederholte Aufgrabungen an derselben Straße sind ein klassisches Ärgernis und Ausdruck fehlender Koordination zwischen Bauträgern. Wo setzen Sie im AK Baustellenmanagement an, damit die Vorhaben besser aufeinander abgestimmt werden?

Mehrfach aufgerissene Straßen sind meist kein Planungsproblem einzelner Beteiligter, sondern ein Informationsproblem zwischen vielen Beteiligten. Solange Tiefbauamt, Stadtwerke, Telekommunikationsunternehmen oder weitere Träger ihre Informationen in getrennten Systemen halten, fehlt die gemeinsame Sicht auf geplante Maßnahmen. Deshalb entwickeln wir Konnektoren zu bestehenden Fachverfahren wie Dr. Haller. Nicht ein neues Werkzeug steht im Mittelpunkt, sondern eine gemeinsame Datengrundlage, auf der bestehende Systeme zusammenarbeiten können.

Jetzt anmelden!