Die Kommunalwirtschaft steht unter Druck. Tägliche Cyberattacken gehören bei Stadtwerken und kommunalen Unternehmen längst zum Geschäftsalltag. Die Frage ist deshalb weniger, ob es zu Angriffen kommt, sondern wie schnell die Handlungsfähigkeit nach einem erfolgreichen Angriff wiederhergestellt werden kann. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) vertritt genau diese Perspektive auf Bundes- und Landesebene und macht das Thema Resilienz zu einer politischen Frage. Ingbert Liebing leitet den VKU als Hauptgeschäftsführer.
Am Vorabend der CIVI/CON 2026 haben wir mit Ingbert Liebing darüber gesprochen, warum die CIVI/CON für die Kommunalwirtschaft ein Ankerpunkt geworden ist, was Resilienz konkret für Stadtwerke bedeutet und wie die enge Partnerschaft zwischen Stadt und Stadtwerk in der digitalen Transformation wirksam wird.
Herr Liebing, warum ist die CIVI/CON für den VKU eine relevante Veranstaltung?
Die CIVI/CON hat sich als Veranstaltung für die Digitalthemen der Stadtgesellschaft und insbesondere der Kommunalwirtschaft etabliert. Für den VKU ist sie ein Ort, an dem sich die Anliegen unserer Mitgliedsunternehmen bündeln und in einen fachlichen wie politischen Rahmen gestellt werden.
Warum ist das Thema Resilienz für die Kommunalwirtschaft so brandaktuell?
Die Zahl der Angriffe nimmt spürbar zu. Cyberattacken gehören für Stadtwerke und die gesamte Kommunalwirtschaft inzwischen zum täglichen Geschäft. Hinzu kommen physische Sabotage und Spionage. Die Energiewirtschaft befindet sich in einer hybriden Auseinandersetzung, in der es Angriffe auf verschiedenen Ebenen gleichzeitig gibt.
Dieser Situation müssen wir uns stellen. Entscheidend ist dabei nicht nur die Abwehr, sondern die Fähigkeit, nach einem erfolgreichen Angriff so schnell wie möglich wieder handlungsfähig zu sein. Resilienz zählt damit zu den Kernthemen, mit denen sich die Kommunalwirtschaft derzeit auseinandersetzt.
Das Videointerview mit Ingbert Liebing auf der CIVI/CON 2026
Klar ist auch, wo die Grenzen der Betreiber liegen. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Wir brauchen deshalb eindeutige politische Prioritäten, schnellere Verfahren und eine verlässliche Finanzierung von Schutzmaßnahmen. Resilienz ist nicht optional, sie ist die Grundlage dafür, dass unsere Gesellschaft funktioniert.
Der VKU ist aus dem Deutschen Städtetag hervorgegangen. Wie funktioniert die Zusammenarbeit heute?
Der Deutsche Städtetag hat den VKU nicht nur gegründet, er begleitet uns bis heute. Für die Kommunalwirtschaft ist er ein zentraler Partner bei den Themen, die wir gemeinsam in die politische Diskussion einbringen.
Wir verstehen uns als Teil der kommunalen Familie. Wenn der Städtetag sich in einer Debatte klar hinter die Stadtwerke stellt, stärkt das unseren Mitgliedern den Rücken. Umgekehrt treten wir mit den kommunalen Spitzenverbänden regelmäßig gemeinsam gegenüber Bund und Ländern auf, etwa bei der Daseinsvorsorge oder bei der Finanzierung der Energiewende. Der Grundsatz dahinter ist einfach: Zukunft wird vor Ort gemacht.
Was bedeutet das für die Praxis in den Stadtwerken?
Die Städte sind Eigentümerinnen ihrer Stadtwerke, und ihre Aufsichtsgremien entscheiden über die strategische Ausrichtung der Unternehmen. Die Partnerschaft zwischen der Stadt als Körperschaft und dem Stadtwerk als Unternehmen ist deshalb von zentraler Bedeutung.
In dieser Partnerschaft entscheidet sich, wie stark ein kommunales Unternehmen in Digitalisierung und Resilienz investieren kann und wie schnell es auf neue Anforderungen reagiert. Das ist vor allem eine Finanzierungsfrage. Kommunale Unternehmen werden künftig mehr von ihrem selbst erwirtschafteten Geld benötigen, um die Investitionen in Erhalt und Modernisierung der Infrastruktur zu stemmen. Dieses Geld fehlt dann im kommunalen Haushalt. Beide Seiten müssen diesen Zielkonflikt gemeinsam lösen, etwa über Nachrangdarlehen, mit denen eine Kommune das Eigenkapital ihres Stadtwerks stärkt. Dafür müssen in vielen Ländern die kommunalrechtlichen Regeln angepasst werden.
Auch beim Schutz der Anlagen könnten Stadtwerke mehr tun, wenn sie es dürften. Datenschutz und andere Vorgaben setzen etwa der Überwachung von Einrichtungen enge Grenzen. Hier brauchen wir Spielräume, damit Vorsorge vor Ort möglich wird und die Versorgung nach einem Angriff schnell wieder steht.
Sie möchten sich zu den Themen Resilienz in der Kommunalwirtschaft, Cybersicherheit für Stadtwerke und die Partnerschaft zwischen Kommune und kommunalem Unternehmen weiter informieren? Die nächste CIVI/CON, der Jahreskongress für digitale Daseinsvorsorge, findet am 8. September 2027 in der Historischen Stadthalle Wuppertal statt.

