Start Forschung Studie: Digitales Städteranking Deutschland 2018

Studie: Digitales Städteranking Deutschland 2018

So smart sind die deutschen Städte heute. Im internationalen Vergleich haben die deutschen Städte und Kommunen einen großen Nachholbedarf. Der Weg zur Smart City, ob nun die Projektplanung oder die Finanzierung, ist dabei oft sehr viel einfacher als gedacht. Dabei geht es um die Digitalisierung als entscheidender Faktor zur Gestaltung attraktiver Standorte.

Die Starnberger Unternehmensberatung Haselhorst Associates hat die rund 400 größten deutschen Städte und Kommunen hinsichtlich ihres Status in Sachen Smart City untersucht. Dabei ging es unter anderem um den Stand der digitalen Infrastruktur, von Lösungen für intelligente Strom-, Gas- und Wassernetze, Smart Mobility, Smart Government oder Smart Health. Das Ergebnis ist ernüchternd: 55 Prozent der Kommunen in Deutschland haben mit ihrer Digitalisierung noch nicht begonnen. Im internationalen Vergleich, zum Beispiel mit Wien oder London, gibt es bisher keine deutsche Stadt, die vorbildlich wäre für die urbane digitale Zukunft. Interessante Ansätze gibt es in Deutschland nur erst punktuell.

Haselhorst Associates hat 31 Kriterien aus amtlichen Statistiken berücksichtigt und über 14.000 Datensätze verarbeitet. Die Studie liefert verbindliche Informationen zum Status quo der digitalen Transformation im öffentlichen Sektor in Deutschland. Die Städte wurden in sieben Kategorien näher beleuchtet: Digitale Infrastruktur wie etwa die Versorgung der Haushalte mit Glasfaserkabeln, Smart Energy (intelligente Strom-, Gas- und Wassernetze), Smart Mobility (intelligente Verkehrssteuerung), Smart Home & Security (intelligente Überwachungs- und Sicherungssysteme), Smart Health (elektronische Patientenakte), Smart Government (digitales Bürgerbüro) sowie Smart Education (digitales Lernen).

Status Quo der digitalen Kommunen

Während Hamburg (38 Prozent), Köln (37 Prozent) und München (32 Prozent) das Ranking anführen, stehen die Kommunen Bietigheim-Bissingen, Herrenberg und Stralsund am Ende mit jeweils einem Prozent. Mit Darmstadt und Wolfsburg sind nur zwei Mittelstädte unter den besten Zehn vertreten, die anderen sind Millionenstädte. Die Studie bietet ein klares Bild von der inhomogenen Entwicklung in Deutschland: Mit einer Gesamtquote von 100 Prozent führt Norderstedt in der Sparte „Digital Infrastructure“. Duisburg steht in der Kategorie „Smart Education“, Darmstadt bei „Smart Health“ und „Smart Energy & Environment“, Dortmund bei „Smart Home, Building & Security“ ganz oben. Im Bereich „Smart Mobility“ ist Wolfsburg führend.

„Es gibt aktuell keine deutsche Stadt, die international Vorbildcharakter für die urbane Digitalisierung der Zukunft hat“, sagt Arno Haselhorst, Partner und Gründer von Haselhorst Associates. „Das Thema Smart City wird in vielen Kommunen aktuell weniger als Zukunftstrend denn als Marketingmaßnahme angesehen.“ „Es ist an der Zeit, dass die deutschen Städte die Chancen der Digitalisierung erkennen und für sich nutzen, zum Beispiel für Lösungen von Verkehrsproblemen oder für die Energiewende“, so Haselhorst. Der Weg dorthin sei leichter, als oft angenommen werde.

Profitieren könnten alle Städte von den neuen Technologien. Angefangen bei digitalen Mobilitätskonzepten wie etwa Carsharing bis hin zu E-Learning-Plattformen in den Schulen bieten smarte Konzepte viele Möglichkeiten, um die Standortattraktivität von Kommunen erheblich zu steigern.

Studienergebnisse anwenden

Es ist anhand der Studie nicht nur möglich, den aktuellen Status der Digitalisierung eines Standorts zu ermitteln. Die Starnberger Berater bieten kommunalen Entscheidern auch die Möglichkeit eines Digital Readiness Assessment. Aus den Ergebnissen ist dann der konkrete Handlungsbedarf einer Kommune abzuleiten, die Basis für eine Roadmap und der Meilensteine zur Entwicklung einer Smart City.

Gemeinsam mit den Stadtwerken Emden und regionalen Akteuren hat Haselhorst Associates eine Digitalisierungs-Roadmap und eine Entwicklung zur Smart City konzipiert. Das Versorgungsunternehmen wurde 2017 mit dem Stadtwerke-Award in Gold des Verbandes Kommunaler Unternehmen (VKU) als innovativste Stadtwerke ausgezeichnet. In der Studie “Digitales Städteranking Deutschland 2018” belegte Emden den 19. Platz, im Vergleich ein sehr gutes Ergebnis.

Die Digitalisierungs-Roadmap für Emden umfasst 15 Teilprojekte, darunter Smart-City-Projekte wie die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge oder eine intelligente Verkehrsfluss- und Parkraumsteuerung. Ferner wird durch einen umfassenden Ausbau mit Glasfasertechnologie die nötige Infrastruktur für eine zukunftsfähige Internetversorgung geschaffen. Im Mittelpunkt des Projekts stehen neben der Nachhaltigkeit und Ökologie vor allem ökonomische Ziele: Die Region Emden soll im Rahmen des digitalen Wandels ein wirtschaftlicher, grüner und gesunder Standort für Bürger und Unternehmen werden.

Emden ist ein gutes Beispiel dafür, wie der digitale Wandel von kommunalen Akteuren aus Wirtschaft und Politik aktiv und erfolgreich gestaltet werden kann. Eine entscheidende Rolle haben dabei die örtlichen Stadtwerke gespielt.

„Durch eine aktive Rolle im Entwicklungsprozess zur Smart City haben sich die Stadtwerke in Emden strategisch optimal als Versorger im Rahmen der Digitalen Daseinsvorsorge positioniert“, sagt Jürgen Germies, Partner bei Haselhorst Associates und verantwortlich für Smart-City-Projekte. „Stadtwerke und Kommunen bekommen mit unserer Studie und einem jeweiligen Städteprofil für solche Projekte die grundlegenden Informationen.“

Die Wirtschaftlichkeit der bestehenden Geschäftsmodelle vieler deutscher Stadtwerke ist heute rückläufig. Die kommunalen Versorger sind deshalb bereits intensiv auf der Suche nach neuen ertragreichen Geschäftsmodellen, um auch künftig die Finanzierung der Daseinsvorsorge ihrer Kommunen sicherstellen zu können. „Der Glasfaserausbau als neues lukratives Geschäftsmodell bietet vielen Stadtwerken die Chance einer erfolgreichen strategischen Neupositionierung“, sagt Germies.

Eine individuelle Strategie für den Glasfaserausbau bringe Stadtwerken nicht nur dieses eine ertragreiche Geschäft, sondern eröffne auch den direkten Zugang zu weiteren digitalen Geschäftsmodellen, zum Beispiel „Intelligente Gebäude“, „Mobilität“ oder „Plattform-Geschäfte“. „Die mit dem Ausbau und der Finanzierung einhergehenden Risiken werden beim Erarbeiten eines individuellen Geschäftsmodells detailliert beschrieben. Sie sind durch eine richtige Vorgehensweise in der Umsetzung gut begrenzbar. Das haben wir in Emden erfolgreich erprobt. Interessante Förderprogramme für den Breitbandausbau gibt es auch“, erläutert Germies. Die Berater von Haselhorst Associates begleiten Verantwortliche auch bei der Bewerbung um eventuelle Fördermittel.

Es ist Aufgabe der Verantwortlichen in Städten und Kommunen sowie der lokalen Energieversorger, das Thema Smart City gemeinsam und mit großem Engagement anzugehen. So werden in Deutschland die Städte künftig nicht nur smart, sondern attraktive Standorte sein.

Zur Studie

Haselhorst Associates entwickelt eine Aktualisierung und Erweiterung der Studie zum Status der Smart-City-Entwicklung in Deutschland. Die Publikation ist für Herbst 2019 geplant.
Hier geht es zur Studie Digitales Städteranking Deutschland 2018.

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Beitrag

Dr. Maximilian Eberl
Dr. Maximilian Eberl ist Senior Consultant bei der Haselhorst Associates GmbH in Starnberg und spezialisiert auf die Konzeption von Digitalisierungs-Roadmaps und das Projektmanagement in Smart-City-Projekten.

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