Start Digitale Stadt Digitales Deutschland - Smart City Ranking 2020

Digitales Deutschland – Smart City Ranking 2020

Zum dritten Mal nach 2018 und 2019 hat die Starnberger Unternehmensberatung Haselhorst Associates rund 400 der größten Städte mit über 30.000 Einwohnern hinsichtlich ihres Status Quo in Sachen Smart City untersucht. Erneut gingen Metropolen als Sieger hervor: Die Top-3 sind Hamburg, Köln und München. Mit Ravensburg steht zum ersten Mal eine Mittelstadt unter den Top Ten der smartesten Städte Deutschlands. Die größten Fortschritte erzielten Soest und Paderborn, das auf regionale Kooperationen sowie eigene Smart-City-Projekte setzt und sich damit im Vergleich zur Studie von 2019 vom 37. auf den 7. Platz voranbrachte.

Für das Ranking haben die Berater 25.600 Datensätze aus amtlichen Statistiken und qualitative Analysen aus öffentlichen Smart-City-Initiativen ausgewertet. Die evaluierten Daten wurden anhand von 52 Kriterien acht Bereichen zugeordnet und entsprechend ihrer Bedeutung gewichtet: Strategie und Umsetzung (Basis), Digitale Infrastruktur, Digitale Mobilität, Digitale Energie & Umwelt, Digitale Gebäude & Quartiere, Digitale Gesundheit, Digitale Bildung und Digitale Verwaltung. Daraus ergab sich für jede untersuchte Kommune ein Digitalisierungsgrad, der Fortschritte und Potenziale verdeutlicht. Die ideale Smart City erhielte einen Grad von 100 Prozent.

Spitzenreiter Hamburg punktet im Bereich Digital Health

Hamburg, der Erstplatzierte der diesjährigen Erhebung, hat einen Digitalisierungsgrad von 45 Prozent erreicht. Daran wird einmal mehr sehr deutlich, dass wir in Deutschland noch auf dem Weg zu echten Smart Cities sind. Zwar kann die Hansestadt eine beachtliche Entwicklung vorweisen, denn sie hat sich besonders im Bereich der Digitalen Gesundheit strategisch gut positioniert. Dabei spielen zwei Initiativen eine wesentliche Rolle: Hamburg Health Harbor (H3) und das Digital Health Hub Hamburg. Das Ziel beider Projekte ist die digitale Vernetzung der örtlichen Akteure im Gesundheitswesen. Während der Pandemie hat das Netzwerk beispielsweise eine Ideenplattform ins Leben gerufen. Aber sämtliche der untersuchten Städte haben noch immer einen Nachholbedarf in puncto Strategieentwicklung. Keine der gelisteten Kommunen kam in diesem Bereich auf einen Wert von 100 Prozent.

Ausbau der Strategien dringend erforderlich

Das gilt auch für Köln auf Rang 2. Die Stadt landete mit einem Digitalisierungsgrad von 44 Prozent knapp hinter dem Spitzenreiter Hamburg. Sie behauptete sich gegenüber der Konkurrenz vor allem in Sachen Glasfaserausbau. Bemerkenswert ist der strategische Ansatz für eine umweltfreundliche und energieschonende Stadtentwicklung, der auch dem Leitbild der Smart-City-Charta der Bundesregierung folgt: klimaneutral und ressourceneffizient. Köln hat dazu zahlreiche Projekte erfolgreich auf den Weg gebracht. Die Gesamtplanung und auch die Entwicklung einzelner Projekte mag bei vielen Kommunen zwar durchaus weit fortgeschritten sein. Doch selbst die Vorreiter aus dem vergangenen Jahr konnten ihr Bewertung nicht erhalten und mussten beim Digitalisierungsgrad herabgestuft werden, weil viele von ihnen ihre übergreifenden Strategien nicht weiter ausgebaut haben.

München entwickelt digitalen Zwilling der Stadt

Zu den weiteren Städten auf den ersten 10 Plätzen gehören auf dem dritten Rang München, gefolgt von Darmstadt, Wolfsburg und Kiel, Paderborn, Bonn, Ravensburg und Solingen. Im Vergleich zu den übrigen Top-10 hat München den Aufbau der digitalen Infrastruktur stark vorangebracht: Der Ausbau des Glasfasernetzes ist von 43 Prozent im Jahr 2019 auf ganze 92 Prozent vorangeschritten. Im Rahmen eines integrierten Smart-City-Handlungs­programms wird außerdem ein Digitaler Zwilling entwickelt, ein Abbild der Metropole in 2D und 3D. Es entsteht aus historischen und anderen statischen Daten sowie Echtzeitinformationen.

Anhand dieses virtuellen Modells werden die Verkehrsplanung und -steuerung vorgenommen – mit dem Ziel einer Kontrolle des Co2-Austoßes. Anhand des detaillierten digitalen 3D-Stadtmodells lassen sich Planungen und ihre Auswirkungen simulieren und veranschaulichen. Neue Mobilitätskonzepte können hinsichtlich ihrer Konsequenzen auf den Verkehrsfluss oder die Reduktion von Luftschadstoffen untersucht und optimiert werden. Erst danach werden die Planungen umgesetzt. Durch das Klonen des Digitalen Zwillings können auch wissenschaftliche Einrichtungen in einer eigenen Laborumgebung die Mobilität der Zukunft mit realistischen Daten erforschen. Darüber hinaus sind zielgruppenorientierte Visualisierungen, zum Bespiel durch Augmented Reality, möglich, um die Bürgerschaft an stadtplanerischen Prozessen zu beteiligen. So werden Smart-City-Projekte in den Bereichen Energie & Umwelt, Mobilität und Gebäude & Nachbarschaften vorangetrieben.

Ravensburg punktet mit Strategie und IT-Projekt für Schulen

Bemerkenswert ist die Entwicklung der Mittelstadt Ravensburg. Seitdem im Februar 2019 eine Digitalisierungsstrategie veröffentlicht wurde, hat die Kommune in sämtlichen Bereichen stetig an der weiteren Entwicklung gearbeitet. Ravensburg hatte bereits 2019 einen großen Sprung nach vorn gemacht und einen Digitalisierungsgrad von 15 Prozent erreicht. Im diesjährigen Ranking erreichte es einen Gesamtscore von 30 Prozent – neunter Platz im Gesamtklassement. Insbesondere bei der digitalen Bildung sind große Fortschritte erzielt worden. Im Februar 2020 veröffentlichte Ravensburg eine IT-Strategie für Schulen. Die Agenda enthält mit dem Leitbild „Medienintegrative Schule“ alle relevanten Handlungsfelder und Maßnahmen sowie den Bedarf an Infrastrukturen und Investitionen für sämtliche Aktivitäten.

Die sehr umfangreichen Projekte der urbanen Transformation erfordern das gemeinsame Handeln der Verantwortlichen sowie Visionen, langfristige Strategien und umfassende Roadmaps, die regelmäßig, je nach Fortschritt der Teilprojekte und des technologischen Wandels, überarbeitet werden sollten. Allerdings fehlt es den meisten Kommunen für solche Projekte nicht nur an Initiativen, sondern vor allem an personellen und finanziellen Ressourcen. Eine Lösung dieses Problems besteht in regionalen Kooperationen, dem Zusammenschluss mit benachbarten Regionen und Kommunen zur Entwicklung von Smart Regions.

Kommunen profitieren durch Kooperationen

Kleinere Kommunen profitieren vom digitalen Wandel, wenn sie sich regional mit benachbarten Städten zusammenschließen, um gemeinsame Digitalisierungsprojekte anzustoßen. Ein gutes Beispiel einer „Smarten Region“ ist Paderborn: Als Leitkommune der digitalen Modellregion Ostwestfalen-Lippe wird die Stadt vom nordrhein-westfälischen Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie (MWIDE) gefördert. Gemeinsam mit der Stadt Delbrück, der kreisfreien Stadt Bielefeld und der Bezirksregierung Detmold arbeitet Paderborn an der Weiterentwicklung der digitalen Modellregion. Mit großem Erfolg: Paderborn steigt in der Studie von Haselhorst Associates im Vergleich zum Vorjahr vom 37. auf den siebten Platz – mit einem Digitalisierungsgrad von 31 Prozent. Denn parallel treibt die Kommune ihre eigenen Digitalisierungs-Projekte in verschiedenen Bereichen voran. Unter dem Motto „Digitale Heimat PB“ laufen zahlreiche innovative Projekte in den Bereichen Mobilität, Umwelt, gesellschaftliches Zusammenleben, Gesundheit, Bildung, Verwaltung und digitale Infrastruktur. Trotz COVID-19 wurde die Bürgerdialog-Reihe „Bürger-DigiLog“, ein Format für Bürger rund um die städtische Digitalisierung, die bereits im Februar 2019 gestartet worden war, im Juni dieses Jahres von der Paderborner CDO Christiane Boschin-Heinz auf digitalem Weg weitergeführt.

In Deutschland geht die Entwicklung der Smart Cities mit vielen interessanten und technologisch hoch versierten Projekten voran. Sämtliche der vielversprechenden Initiativen weisen darauf hin, dass in unserem Land in Sachen der Entwicklung von Smart Cities und Smart Regions sehr viel tut. Gleichwohl muss noch nachgelegt werden. Die Pandemie sorgt für einen großen Schub zur allgemeinen Digitalisierung – ob nun in den Bereichen Gesundheit oder Bildung. Das ist für alle Kommunen die Gelegenheit zu einer umfassenden, detaillierten und langfristigen strategischen Ausrichtung – nicht zuletzt als ein großer Impuls für die Wirtschaftsförderung nach der Krise.  

Autor*in kontaktieren

Gerne vernetzen wir unsere Leser*innen kostenlos mit unseren Autor*innen.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Über Urban Digital

Dieses Portal informiert über Themen, Akteure, Projekte und Strategien rundum die digitale Stadt. Unsere Vision ist es, die Triebkraft der Digitalisierung in die Bahnen einer erstrebenswerten Stadtentwicklung zu lenken.

Dazu forcieren wir den inhaltlichen Austausch über die digitale Stadt zwischen Akteuren aus Forschung, Wirtschaft, öffentlicher Verwaltung und Zivilgesellschaft.

Beitrag

Avatar
Dr. Lucia Wright
Dimitri Ravin befasst sich seit dem Jahr 2017 als Intiator von urban-digital.de mit dem Einfluss der Digitalisierung auf Städte. Neben seinem Studium der Stadtplanung, ist er mit Beratungs- und Vortragstätigkeiten i. Z. m. Smart City Projekten und Strategien tätig. Zuletzt untersuchte er am Institut für den öffentlichen Sektor (KPMG) die Smart City-Strategien deutscher Großstädte und war davor als Projektassistenz für digitale Projekte bei der Stadt Dortmund angestellt. Kontakt: info [at] urban-digital [.] de

Beliebte Beiträge

Newsletter

Informiert über Smart City-Strategien und Projekte

Unsere Abonnent*innen informieren wir im monatlichen Rhythmus über Smart City-Entwicklungen in Deutschland

Informationen zum Newsletter